[Septic]
27.07.2003, 18:32
So, hier mal das erste Kapitel einer Kurzgeschichte von mir.
1.
Ich hoffe, ich kann diese Zeilen beenden, bevor er kommt, und mich holt...
Doch fange ich lieber ganz am Anfang an. Ich schreibe dies als Vermächtnis an die Menschheit – an jene, die wissen wovon ich rede. Ich schreibe dies, um den Menschen zu zeigen, wer da draussen ist. Ich hoffe, dass jene, die dies lesen, einen Weg finden werden, ihn zu vernichten; ich selbst vermochte das bis heute nicht.
Ich bin kein Mann langer Worte, doch fürchte ich, dies wird eben jenen Grundsatz in Frage stellen.
Alles begann nach vier Wochen Urlaub an der Westküste. An langen weissen Stränden, mit kalter Limonade und jungen Frauen. Gerade traf ich wieder zu Hause ein, die letzten Tage in einer Retrospektive an mir vorbeiziehend. In meinem überfüllten Postkasten lag neben den üblichen Rechnungen und Gehaltschecks, die ich je Woche erhalte, ein seltsam anmutender Umschlag. Er war von braunem, festen Papier, über und über beschrieben mit schwarzer Farbe. Die Schriftzeichen waren mir vollkommen unbekannt, doch erzeugten sie in mir ein Gefühl von Blasphemie. In derart verworrenen Winkeln waren Keilschriften mit Hyroglyphen vermischt. Es kam mir jedenfalls vor, wie Hyroglyphen, auch wenn ich dergleichen nie gesehen hatte.
Nachdem ich den Rest der Post durchsucht und festgestellt hatte, da sei nichts weiter Interessantes zu finden, beschloss ich, den Abend in einem Biergarten ausklingen zu lassen. Den Umschlag schloss ich in meinen Schreibsekretär.
Es war bereits spät Abends, als ich mich auf den Heimweg machte. Der Himmel verdunkelte sich allmählich, und düstere Gewitterwolken zogen von Ost nach West. Noch war der Mond in all seiner Pracht zu sehen, auf der anderen Seite des Firmaments die Überreste des Abendrots. Ich kann es nicht erklären, bis heute nicht, aber mich überkam ein Gefühl von Paranoia. Nie zuvor mutete mir derart an, doch ich glaubte, verfolgt zu werden. Schnellen Schrittes ging ich zur Bushaltestelle, doch war der Bus gerade abgefahren, ich konnte noch die rot leuchtenden Schlusslichter sehen. Der nächste Bus würde erst in einer Stunde kommen. Also schritt ich weiter voran, in Richtung meiner Wohnung. Desöfteren sah ich mich auf dem Heimweg um, doch niemand war zu dieser Stunde noch auf der Straße, abgesehen von den Prostituierten, die an jeder Ecke standen, auf ihre Freier wartend. Ich bog in eine Seitengasse ein, wieder kroch es mir kalt den Rücken herunter, als ich in meinem Augenwinkel eine Gestalt zu sehen glaubte, doch ich war allein hier. Das Gefühl von beobachtet-werdens liess nicht von meinem Geiste ab. In meinem Kopf spulten die Berichte über Überfälle hier in der Gegend ab, aber hier war niemand. Als ich wieder einen Schatten ausmachte, der hinter mir huschte, griff ich nach dem Revolver in meiner Jackentasche – einem Erbstück meines Vaters, den ich immer bei mir trug – drehte mich ruckartig um, und zielte auf einen Fixpunkt im Nichts. Ich schalt mich selbst einen Narren und ging noch schnelleren Schrittes weiter.
Zu Hause angekommen schaltete ich das elektrische Licht ein und starrte in das Chaos, dass mich mit offenen Maul anblickte. Nie zuvor erblickte ich eine solch verwüstete Wohnung wie die meinige. Meine Regale waren umgeworfen worden, meine klägliche Sammlung von Okkulten Büchern, unter ihnen Prosa wie ‚Taub, stumm und blind’ oder ‚Der leuchtende Trapezoeder’ von Lovecraft, lag am Boden zerstreut Der oder die Einbrecher hatten sich scheinbar viel Zeit gelassen, denn im Gegensatz zur Wohnung waren die Fenster und Türen unangetastet. Wie also sind sie hier hereingekommen? Allein der mysteriöse braune Umschlag lag noch in der aufgebrochenen Schublade des Sekretärs; der Inhalt jedoch fehlte. Auf dem selbigen lag ein Stück abgerissenes Büttenpapier, auf dem in schwarzer Tinte stand ‚halte dich heraus, oder es ergeht dir wie den Anderen’. Da ich damit nichts anfangen konnte – oh, hätte ich doch den Umschlag geöffnet, bevor ich das Haus verließ- gab ich der Polizei Bescheid und erstatte Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei jedoch fand keine fremden Fingerabdrücke, was mich nicht wirklich überrascht hat.
Die halbe Nachte verbrachte ich damit, meine Unterlagen zusammen zu sammeln und meine Einrichtung aufzustellen. Am nächsten Morgen erwachte ich inmitten eines Papierhaufens. Ich muss eingeschlafen sein.
Die Standuhr, die ich als letztes wieder aufgerichtet hatte, schlug zwei Uhr Nachmittags. ‚Zeit, etwas zu essen, und nach der Post zu sehen’, dachte ich mir. Zu meiner Verwunderung befand sich wieder ein brauner Umschlag zwischen den restlichen Briefen. Doch diesmal konnte ich nicht an mich halten, ich musste ihn öffnen. Im Inneren lag ein kleines Buch. Es war eingeschlagen in gegerbtes Rinderleder und mutete an wie ein Notizbuch. Ich nahm das Buch, holte eine Flasche Wein und Brot und setzte mich vor den Kamin, welchen ich anheizte. Überschrieben war das Buch mit dem Titel ‚Testament’. Mit gemischten Gefühlen las ich einige Seiten – oh, welch Häresie sich hierin befand! Hätte ich doch damals schon gewusst, was es damit auf sich hat! Ich hätte es verbrennen sollen! Das wenige, was ich lesen konnte, mutete mir an, wie Beschwörungsformeln oder Anrufungen. Immer wieder waren diese komplizierten Symbole zu erkennen, verwinkelte Keile und Anderes, das ich nicht mit Worten wiederzugeben vermag. Ich nannte mich selbst einen Idioten, dass ich damals nicht Philosophie oder Theosophie studierte, angesichts dieser unwillkommenen Entdeckung. Ein Satz jedoch wand sich wie die Schlage durch das Buch. Wenn es denn ein Satz war: ‚Iä, Iä! Cthulhu fthagn! Iä! Iä!’
Nach dem eindringlichen Studium des Buches war es bereits Nacht geworden und meine Sinne waren leicht getrübt von dem lieblichen Rotwein, welchen ich, inzwischen die dritte Flasche, zu dem Brot verzehrt hatte. Ich beschloss, mich schlafen zu legen und alsbald eine neue Wohnung zu nehmen. Am Besten in einer anderen Stadt. Und ich würde wieder studieren. Dessen war ich mir sicher!
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Ich hoffe, ich kann diese Zeilen beenden, bevor er kommt, und mich holt...
Doch fange ich lieber ganz am Anfang an. Ich schreibe dies als Vermächtnis an die Menschheit – an jene, die wissen wovon ich rede. Ich schreibe dies, um den Menschen zu zeigen, wer da draussen ist. Ich hoffe, dass jene, die dies lesen, einen Weg finden werden, ihn zu vernichten; ich selbst vermochte das bis heute nicht.
Ich bin kein Mann langer Worte, doch fürchte ich, dies wird eben jenen Grundsatz in Frage stellen.
Alles begann nach vier Wochen Urlaub an der Westküste. An langen weissen Stränden, mit kalter Limonade und jungen Frauen. Gerade traf ich wieder zu Hause ein, die letzten Tage in einer Retrospektive an mir vorbeiziehend. In meinem überfüllten Postkasten lag neben den üblichen Rechnungen und Gehaltschecks, die ich je Woche erhalte, ein seltsam anmutender Umschlag. Er war von braunem, festen Papier, über und über beschrieben mit schwarzer Farbe. Die Schriftzeichen waren mir vollkommen unbekannt, doch erzeugten sie in mir ein Gefühl von Blasphemie. In derart verworrenen Winkeln waren Keilschriften mit Hyroglyphen vermischt. Es kam mir jedenfalls vor, wie Hyroglyphen, auch wenn ich dergleichen nie gesehen hatte.
Nachdem ich den Rest der Post durchsucht und festgestellt hatte, da sei nichts weiter Interessantes zu finden, beschloss ich, den Abend in einem Biergarten ausklingen zu lassen. Den Umschlag schloss ich in meinen Schreibsekretär.
Es war bereits spät Abends, als ich mich auf den Heimweg machte. Der Himmel verdunkelte sich allmählich, und düstere Gewitterwolken zogen von Ost nach West. Noch war der Mond in all seiner Pracht zu sehen, auf der anderen Seite des Firmaments die Überreste des Abendrots. Ich kann es nicht erklären, bis heute nicht, aber mich überkam ein Gefühl von Paranoia. Nie zuvor mutete mir derart an, doch ich glaubte, verfolgt zu werden. Schnellen Schrittes ging ich zur Bushaltestelle, doch war der Bus gerade abgefahren, ich konnte noch die rot leuchtenden Schlusslichter sehen. Der nächste Bus würde erst in einer Stunde kommen. Also schritt ich weiter voran, in Richtung meiner Wohnung. Desöfteren sah ich mich auf dem Heimweg um, doch niemand war zu dieser Stunde noch auf der Straße, abgesehen von den Prostituierten, die an jeder Ecke standen, auf ihre Freier wartend. Ich bog in eine Seitengasse ein, wieder kroch es mir kalt den Rücken herunter, als ich in meinem Augenwinkel eine Gestalt zu sehen glaubte, doch ich war allein hier. Das Gefühl von beobachtet-werdens liess nicht von meinem Geiste ab. In meinem Kopf spulten die Berichte über Überfälle hier in der Gegend ab, aber hier war niemand. Als ich wieder einen Schatten ausmachte, der hinter mir huschte, griff ich nach dem Revolver in meiner Jackentasche – einem Erbstück meines Vaters, den ich immer bei mir trug – drehte mich ruckartig um, und zielte auf einen Fixpunkt im Nichts. Ich schalt mich selbst einen Narren und ging noch schnelleren Schrittes weiter.
Zu Hause angekommen schaltete ich das elektrische Licht ein und starrte in das Chaos, dass mich mit offenen Maul anblickte. Nie zuvor erblickte ich eine solch verwüstete Wohnung wie die meinige. Meine Regale waren umgeworfen worden, meine klägliche Sammlung von Okkulten Büchern, unter ihnen Prosa wie ‚Taub, stumm und blind’ oder ‚Der leuchtende Trapezoeder’ von Lovecraft, lag am Boden zerstreut Der oder die Einbrecher hatten sich scheinbar viel Zeit gelassen, denn im Gegensatz zur Wohnung waren die Fenster und Türen unangetastet. Wie also sind sie hier hereingekommen? Allein der mysteriöse braune Umschlag lag noch in der aufgebrochenen Schublade des Sekretärs; der Inhalt jedoch fehlte. Auf dem selbigen lag ein Stück abgerissenes Büttenpapier, auf dem in schwarzer Tinte stand ‚halte dich heraus, oder es ergeht dir wie den Anderen’. Da ich damit nichts anfangen konnte – oh, hätte ich doch den Umschlag geöffnet, bevor ich das Haus verließ- gab ich der Polizei Bescheid und erstatte Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei jedoch fand keine fremden Fingerabdrücke, was mich nicht wirklich überrascht hat.
Die halbe Nachte verbrachte ich damit, meine Unterlagen zusammen zu sammeln und meine Einrichtung aufzustellen. Am nächsten Morgen erwachte ich inmitten eines Papierhaufens. Ich muss eingeschlafen sein.
Die Standuhr, die ich als letztes wieder aufgerichtet hatte, schlug zwei Uhr Nachmittags. ‚Zeit, etwas zu essen, und nach der Post zu sehen’, dachte ich mir. Zu meiner Verwunderung befand sich wieder ein brauner Umschlag zwischen den restlichen Briefen. Doch diesmal konnte ich nicht an mich halten, ich musste ihn öffnen. Im Inneren lag ein kleines Buch. Es war eingeschlagen in gegerbtes Rinderleder und mutete an wie ein Notizbuch. Ich nahm das Buch, holte eine Flasche Wein und Brot und setzte mich vor den Kamin, welchen ich anheizte. Überschrieben war das Buch mit dem Titel ‚Testament’. Mit gemischten Gefühlen las ich einige Seiten – oh, welch Häresie sich hierin befand! Hätte ich doch damals schon gewusst, was es damit auf sich hat! Ich hätte es verbrennen sollen! Das wenige, was ich lesen konnte, mutete mir an, wie Beschwörungsformeln oder Anrufungen. Immer wieder waren diese komplizierten Symbole zu erkennen, verwinkelte Keile und Anderes, das ich nicht mit Worten wiederzugeben vermag. Ich nannte mich selbst einen Idioten, dass ich damals nicht Philosophie oder Theosophie studierte, angesichts dieser unwillkommenen Entdeckung. Ein Satz jedoch wand sich wie die Schlage durch das Buch. Wenn es denn ein Satz war: ‚Iä, Iä! Cthulhu fthagn! Iä! Iä!’
Nach dem eindringlichen Studium des Buches war es bereits Nacht geworden und meine Sinne waren leicht getrübt von dem lieblichen Rotwein, welchen ich, inzwischen die dritte Flasche, zu dem Brot verzehrt hatte. Ich beschloss, mich schlafen zu legen und alsbald eine neue Wohnung zu nehmen. Am Besten in einer anderen Stadt. Und ich würde wieder studieren. Dessen war ich mir sicher!