Sephiroththe23
07.04.2005, 23:35
Moin :)
Ich betreib seit längerem rein "hobbymäßig" eine kleine Filmlogik Essay-Reihe und habe mal wieder ein schönes Fressen gefunden, als ich vor einigen Tagen "The Reign of Fire" auf Premiere sah. Angestachelt dann durch die "Drachen" Diskussion im RPG Maker Forum, habe ich mich dann entschieden mir den Film nochmal anzuschauen, und genüsslich zu zerlegen :)
Erstmal vorweg, ich werde massiv spoilen, also lest das nicht, wenn ihr den Film nicht kennt und noch sehen wollt.
The Reign of Fire - Herrschaft des Feuers
Lassen wir mal außer acht, das Quinn da am Anfang ein wenig über die Stränge schlägt und es ihm erlaubt ist, sich einfach frei in einem Stollensystem zu bewegen, das ist zwar höchst unwahrscheinlich, aber naja, wer in Filmen kennt schon Sicherheitsbestimmungen?
Nun, Quinn findet eine Nische, begibt sich in eine große Höhle und, um Mr. DNA zu zitieren, BINGO!
D R A C H E N.
Nicht die freundliche Tabaluga Version mit Plüschansatz, sondern eher die Samuel L. Jackson'sche Big Bad Motherfucker Version, groß, schwarz, grausam, herzlos und vor allem, hungrig.
Die Drachen brechen, nachdem der kleine Junge sie unfreundlicherweise geweckt hat aus und verbrennen die Erde, mit Reproduktions und Wachstumsraten die höchstens von einigen Bakterienarten übertroffen werden können verbreiten sie sich auf dem Erdball und alle menschlichen Waffen scheinen nutzlos, inklusive dem nuklearen Arsenal.
Aber lassen wir die Waffen der Menschen mal außer acht, gehen wir mal zu den Drachen, die sind viel interessanter.
Zuerst einmal, ich war lange der Meinung, Feuer als Verteidigungsmechanismus sei per se schon eine physikalische Unmöglichkeit, ich wurde allerdings gestern von einem Freund von mir, seines Zeichens Biologiestudent, korrigiert. Anscheinend gibt es einen sogenannten Bombardierkäfer, welcher sich mit rund 100°C heißen Wasserstoff-Ätzwaffen verteidigt*.
Allerdings ändert dies nichts daran, dass ich die Darstellung in "Reign of Fire" für relativ problematisch halte.
Das allererste Problem, was mir da durch den Kopf schießt ist das beliebte Milkshake Problem, das Problem der Energieerhaltung bei der Erzeugung von Reaktionen, der Grund warum eure Mütter euch sagen, ihr sollt Milch trinken, denn nur sie macht euch so stark wie Darth Vader.
Gehen wir mal davon aus, der Drache nutzt reguläres Benzin (ja, ich weiß, er tut es nicht, aber die Idee kam mir aus der Praxistauglichkeit, als ich mich vorgestern mit ein paar anderen Leuten über "Reign of Fire" unterhielt.)
Sagen wir mal der Drache ist wirklich effizient strukturiert und schafft es rund 50% (so oder so illusorisch) seines Fressens in Feuer-Energie umzuwandeln.
Dann braucht der Drache schon für einen Liter rund 32 Milkshakes, für Szenen wie den Konvoy Angriff, wo sicherlich 400 bis 500 Liter an Benzin auf die Menschen niederregnen, werden schon an die 16.000 Milkshakes benötigt - in Pulp Fiction Milkshakes also rund $80.000 in "pretty fucking good milkshakes" - abgesehen von der Woche, die er vorher in einer Bar verbringen müßte um all die Milkshakes zu trinken, und den 1000den Kühen, die er bräuchte, um sie just-in-time herzustellen.
Ganz abgesehen vom Energie Problem der Flammen gibt es auch noch das Problem, das Flamen eine große Menge an Hitze emittieren und ein Ziel nicht direkt treffen müssen, um es massiv zu schädigen oder sogar zu töten.
Man braucht nur einmal seine Hand über ein Feuer zu halten und wird merken, dass es schon in einiger Entfernung unangenehm wird. Der Drache bräuchte also ein extrem ausgeklügeltes Kühlsystem und müste quasi konstant schwitzen, um sich nicht selbst zu rösten.
Als nächstes kommt das Problem der Waffenlogik, denn der Film sagt uns, dass alle menschlichen Waffen wirkungslos waren.
Ich meine, ich bin ja einiges gewöhnt, bei The Core gibt's nichtmal Pfadfinder, aber hier sagen sie uns ganz strikt,das keine menschliche Waffe, inkl. Nuklearsprengköpfen, in der Lage war, die Drachen aufzuhalten; Wie geht dies von statten?
Der Drache muss definitiv eine extrem gute kugelsichere Weste gekauft haben, als er letztes mal im ACME Store war, nicht wahr?
Ich denke mal alle kennen diese Westen aus dem Fernsehn, Körperschutzwesten, die vor Einschlägen von Schüßen aus Handfeuerwaffen schützen sollen.
Laut meinem ehemaligen Physiklehrer haben Handfeuerwaffen, spezifisch .45 Geschosse, eine Aufschlagenergie von rund 619 Joule - und selbst ein solcher Treffer resultiert bei regulären Kevlar Westen in schmerzhaften Blessuren, bis hin zu Brüchen.
Jetzt muss man ja bedenken, diese Drachen sind verdammt unhöflich und werden deshalb logischerweise auch von der Armee ungern gesehen - die hat aber wiederum .50 MGs und 20mm Gatling Waffen in ihren Helikoptern - und diese haben rund 15.000 und 54.000 Joule Energie - das ist ein bisschen mehr.**
Abgesehen davon brauchen die Waffen ja garkeinen Durchschlag, denn oft reichen die inneren Verletzungen, die ein Aufschlag un die damit verbundene Bewegungsenergie erzeugen, um Menschen und Tiere zu töten. Der Drache bräuchte also nicht nur eine kugelsichere Weste, sondern auch ein extrem starkes und nahezu geschlossenes Skelett aus einem Material, wie es auf der Welt wohl nicht vorkommt.
Das Lächerlichste kommt jedoch zum Schluß zu Tage, als sich die Drachen durch einen Pfeil in den Mund töten lassen.
Als letzes gibt's da das Problem des Gewichts, ich meine, so'n Drache schleppt scho einiges, nen Benzintank mit minimum 500 Litern, schwere Panzerungen und Strahlenschutzsysteme, eine Skelettstruktur aus dem Unobtanium, welches schon in The Core zum Einsatz kam, ein Kühlsystem und, so ganz nebenbei noch den üblichen Kleinkram, Lungen und so Zeug, braucht man ja auch noch irgendwann mal; Und dann SOLCHE Flügel?
Nein, eher nicht. Sollte jetzt, wie schon in Cortis Thread, das beliebte "Hummel"-Beispiel kommen, es gibt Modelle, die belegen, das Hummeln fliegen können, allerdings skalliert sich das nicht gut nach oben hin - und wie wir alle wissen, fliegende Elefanten gibt es nicht.
Eine ganz banale, biologische Sache, macht den Film dann am Ende erneut zur Lachnummer, die Drachen haben nur einen einzigen "Befruchter", einen einzigen Macho-Man, der sich seinen Harem hält - und als dieser stirbt, solidarisiert sich sein Harem natürlich mit ihm und stirbt an gebrochenem Herzen - faszinierend.
* u.A. http://www.unglaublich-phantastisch.de/Naturwunder/Bombardierkafer/bombardierkafer.html
** Alle Zahlen lt. meinem Physiklehrer
Ich betreib seit längerem rein "hobbymäßig" eine kleine Filmlogik Essay-Reihe und habe mal wieder ein schönes Fressen gefunden, als ich vor einigen Tagen "The Reign of Fire" auf Premiere sah. Angestachelt dann durch die "Drachen" Diskussion im RPG Maker Forum, habe ich mich dann entschieden mir den Film nochmal anzuschauen, und genüsslich zu zerlegen :)
Erstmal vorweg, ich werde massiv spoilen, also lest das nicht, wenn ihr den Film nicht kennt und noch sehen wollt.
The Reign of Fire - Herrschaft des Feuers
Lassen wir mal außer acht, das Quinn da am Anfang ein wenig über die Stränge schlägt und es ihm erlaubt ist, sich einfach frei in einem Stollensystem zu bewegen, das ist zwar höchst unwahrscheinlich, aber naja, wer in Filmen kennt schon Sicherheitsbestimmungen?
Nun, Quinn findet eine Nische, begibt sich in eine große Höhle und, um Mr. DNA zu zitieren, BINGO!
D R A C H E N.
Nicht die freundliche Tabaluga Version mit Plüschansatz, sondern eher die Samuel L. Jackson'sche Big Bad Motherfucker Version, groß, schwarz, grausam, herzlos und vor allem, hungrig.
Die Drachen brechen, nachdem der kleine Junge sie unfreundlicherweise geweckt hat aus und verbrennen die Erde, mit Reproduktions und Wachstumsraten die höchstens von einigen Bakterienarten übertroffen werden können verbreiten sie sich auf dem Erdball und alle menschlichen Waffen scheinen nutzlos, inklusive dem nuklearen Arsenal.
Aber lassen wir die Waffen der Menschen mal außer acht, gehen wir mal zu den Drachen, die sind viel interessanter.
Zuerst einmal, ich war lange der Meinung, Feuer als Verteidigungsmechanismus sei per se schon eine physikalische Unmöglichkeit, ich wurde allerdings gestern von einem Freund von mir, seines Zeichens Biologiestudent, korrigiert. Anscheinend gibt es einen sogenannten Bombardierkäfer, welcher sich mit rund 100°C heißen Wasserstoff-Ätzwaffen verteidigt*.
Allerdings ändert dies nichts daran, dass ich die Darstellung in "Reign of Fire" für relativ problematisch halte.
Das allererste Problem, was mir da durch den Kopf schießt ist das beliebte Milkshake Problem, das Problem der Energieerhaltung bei der Erzeugung von Reaktionen, der Grund warum eure Mütter euch sagen, ihr sollt Milch trinken, denn nur sie macht euch so stark wie Darth Vader.
Gehen wir mal davon aus, der Drache nutzt reguläres Benzin (ja, ich weiß, er tut es nicht, aber die Idee kam mir aus der Praxistauglichkeit, als ich mich vorgestern mit ein paar anderen Leuten über "Reign of Fire" unterhielt.)
Sagen wir mal der Drache ist wirklich effizient strukturiert und schafft es rund 50% (so oder so illusorisch) seines Fressens in Feuer-Energie umzuwandeln.
Dann braucht der Drache schon für einen Liter rund 32 Milkshakes, für Szenen wie den Konvoy Angriff, wo sicherlich 400 bis 500 Liter an Benzin auf die Menschen niederregnen, werden schon an die 16.000 Milkshakes benötigt - in Pulp Fiction Milkshakes also rund $80.000 in "pretty fucking good milkshakes" - abgesehen von der Woche, die er vorher in einer Bar verbringen müßte um all die Milkshakes zu trinken, und den 1000den Kühen, die er bräuchte, um sie just-in-time herzustellen.
Ganz abgesehen vom Energie Problem der Flammen gibt es auch noch das Problem, das Flamen eine große Menge an Hitze emittieren und ein Ziel nicht direkt treffen müssen, um es massiv zu schädigen oder sogar zu töten.
Man braucht nur einmal seine Hand über ein Feuer zu halten und wird merken, dass es schon in einiger Entfernung unangenehm wird. Der Drache bräuchte also ein extrem ausgeklügeltes Kühlsystem und müste quasi konstant schwitzen, um sich nicht selbst zu rösten.
Als nächstes kommt das Problem der Waffenlogik, denn der Film sagt uns, dass alle menschlichen Waffen wirkungslos waren.
Ich meine, ich bin ja einiges gewöhnt, bei The Core gibt's nichtmal Pfadfinder, aber hier sagen sie uns ganz strikt,das keine menschliche Waffe, inkl. Nuklearsprengköpfen, in der Lage war, die Drachen aufzuhalten; Wie geht dies von statten?
Der Drache muss definitiv eine extrem gute kugelsichere Weste gekauft haben, als er letztes mal im ACME Store war, nicht wahr?
Ich denke mal alle kennen diese Westen aus dem Fernsehn, Körperschutzwesten, die vor Einschlägen von Schüßen aus Handfeuerwaffen schützen sollen.
Laut meinem ehemaligen Physiklehrer haben Handfeuerwaffen, spezifisch .45 Geschosse, eine Aufschlagenergie von rund 619 Joule - und selbst ein solcher Treffer resultiert bei regulären Kevlar Westen in schmerzhaften Blessuren, bis hin zu Brüchen.
Jetzt muss man ja bedenken, diese Drachen sind verdammt unhöflich und werden deshalb logischerweise auch von der Armee ungern gesehen - die hat aber wiederum .50 MGs und 20mm Gatling Waffen in ihren Helikoptern - und diese haben rund 15.000 und 54.000 Joule Energie - das ist ein bisschen mehr.**
Abgesehen davon brauchen die Waffen ja garkeinen Durchschlag, denn oft reichen die inneren Verletzungen, die ein Aufschlag un die damit verbundene Bewegungsenergie erzeugen, um Menschen und Tiere zu töten. Der Drache bräuchte also nicht nur eine kugelsichere Weste, sondern auch ein extrem starkes und nahezu geschlossenes Skelett aus einem Material, wie es auf der Welt wohl nicht vorkommt.
Das Lächerlichste kommt jedoch zum Schluß zu Tage, als sich die Drachen durch einen Pfeil in den Mund töten lassen.
Als letzes gibt's da das Problem des Gewichts, ich meine, so'n Drache schleppt scho einiges, nen Benzintank mit minimum 500 Litern, schwere Panzerungen und Strahlenschutzsysteme, eine Skelettstruktur aus dem Unobtanium, welches schon in The Core zum Einsatz kam, ein Kühlsystem und, so ganz nebenbei noch den üblichen Kleinkram, Lungen und so Zeug, braucht man ja auch noch irgendwann mal; Und dann SOLCHE Flügel?
Nein, eher nicht. Sollte jetzt, wie schon in Cortis Thread, das beliebte "Hummel"-Beispiel kommen, es gibt Modelle, die belegen, das Hummeln fliegen können, allerdings skalliert sich das nicht gut nach oben hin - und wie wir alle wissen, fliegende Elefanten gibt es nicht.
Eine ganz banale, biologische Sache, macht den Film dann am Ende erneut zur Lachnummer, die Drachen haben nur einen einzigen "Befruchter", einen einzigen Macho-Man, der sich seinen Harem hält - und als dieser stirbt, solidarisiert sich sein Harem natürlich mit ihm und stirbt an gebrochenem Herzen - faszinierend.
* u.A. http://www.unglaublich-phantastisch.de/Naturwunder/Bombardierkafer/bombardierkafer.html
** Alle Zahlen lt. meinem Physiklehrer