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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Holocaust Mahnmal - öffentlich und frei


Sparkfist
10.05.2005, 13:15
Nun ist das Mahnmal fertiggestellt und lässt sich schon bald nach Belieben von einem Jeden besuchen, der sich nach Berlin-Mitte begibt. 2711 Stelen erinnern an das Schicksal der Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet worden sind.

Dieses Mahnmal wurde ja schon lange kontrovers diskutiert. Viele Bedenken gab es schon im Vorfeld. Da gab es ethnische und auch ganz praktische. Nun steht das Mahnmal und auch ich habe so meine Bedenken. Ich bin zwar begeistert von der Idee, der Öffentlichkeit die Freiheit zu lassen, das Mahnmal jederzeit besuchen zu können, aber das wird sicher auch dazu führen, dass Menschen diesen Ort besuchen, die das Mahnmal beschädigen wollen oder auch einfach nur durch ihre Anwesenheit provozieren wollen. Trotz Sicherheitsdienst wird es bestimmt nicht möglich sein z.B. Hakenkreuzschmierereien von den Stelen fern zu halten. Die Reinigung würde dann nochmal ordentlich Geld kosten, sollte diese ausbleiben, dann könnte die Situation eskalieren, bis die Stätte aussieht wie ein U-Bahnhof.

Ich mache mir Sorgen, dass diese Gedenkstätte die Präsenz der Neonazis auch international noch viel deutlicher macht. Allerdings weiß ich noch nicht, inwiefern das Mahnmal gesichert wird.

Auf jeden Fall werde ich am nächsten Wochenende bestimmt mal nach Mitte gehen, um mir das Mahnmal selbst anzuschauen. Die Bilder im Fernsehen sind schon sehr beeindruckend und ich kann es kaum abwarten selbst zu erfahren, welchen Eindruck ein Gang durch das Mahnmal hinterlässt.

Sephiroththe23
10.05.2005, 13:48
Gibt es eigentlich eine schöne Aufschrift ála?:

Anmerkung:
Diese Mahnmale dienen dem Gedenken an die wegen ihrer angeblichen rassischen Minderwertigkeit durch die Nationalsozialisten Verfolgten.

Bitte gedenken sie hier nicht der Juden, der Sozialisten, der Kommunisten, der Homosexuellen, der Erbkranken, der geistig Behinderten oder der Kriminellen im Allgemeinen;
Eine aktuelle Liste der jeweils zur Verfügung stehenden zu Gedenkenden, sowie deren Gedenkstätten und Mahnmale erhalten sie beim Tourismus-Informationsdienst in der Schulden-Kultur-Straße 15, sowie unter 0700-KOLLEKTIVSCHULD (0700 - 454 424 737 613 742)

Diese händigen dann schöne Zettel mit einem Inhalt wie dem hier aus:
"Diese Woche: Woche der Juden - Gedenken sie den Gestorbenen und Verfolgten bitte an Stele 2.111, 0.428, 0.332, 0.563, 0.616 und 1.132"



Bevor jetzt jemand mit "Rechtsradikalismus" oder ähnlichem anfängt:
Ich bin aus der oberen Mittelschicht, ich habe einen Abschluß an einem Gymnasium im 1. Bereich; Inklusive 15 Punkten (1+) in Geschichte, ich kenne mich wahrscheinlich besser als jeder nicht-Geschichte studierte Bundesbürger mit dem 2. Weltkrieg aus und ich bedauere sehr, was da passiert ist.
Nach Jahren des gebetsmühlenartigen Wiederholens jedoch, habe ich endgültig kein Interesse mehr an der Kultur, die aus der Schuld der Deutschen gemacht wird.
Es war grausam, was passiert ist, und wir müssen es als Teil der Vergangenheit akzeptieren - und damit abschließen.
Diese Trauerchöre wurden schon vor langer Zeit zur Routine und inzwischen hat das doch nur noch therapeutischen Wert für jene, deren Geist nicht wirklich klar denken kann und die immer noch der Meinung sind, Deutschland sei ein schuldbehaftetes Land - Wir sind nicht mehr - oder weniger - Schuld als viele andere Länder dieser Welt - und das stetige Zurückblicken wird uns niemals weiterbringen.

Ich berufe mich auf §5 GG;
Dieser Beitrag dient nicht der Schändung des Andenkens, er dient nur der sarkastischen Überzeichnung der Meinung des Autors welche sich auf Fakten basiert.
rpgmaker2000.de macht sich diese Meinung nicht zueigen.

[Septic]
10.05.2005, 13:50
Das Ding ist hässlich und nimmt Platz weg, der gerade in der Nähe des Brandenburger Tor und des Adlon besser für Glas- und Stahl-Kolosse geeignet wäre. Allein die gute Anbindung.

Übrigens gibt es imho schon genügend Mahnmäler in De.

Ansonsten kann ich S23 nur Full ACK geben.

Sparkfist
10.05.2005, 14:09
Das Thema "Schuld" hatten wir ja schonmal im Zusammenhang mit dem Aufmarsch der NPD. Ich sehe jedoch in diesem Mahnmal weniger eine Aufforderung zur Schuldbekennung, als eine Aufforderung zum Gedenken und zum Nachdenken über die Taten, die damals begangen worden sind.

Diese Einstellung, die ihr hier zeigt legt die Vermutung nahe, dass ihr diese geschichtlichen Ereignisse als vergangen und damit nicht mehr aktuell anseht. Das sehe ich allerdings anders, wenn ich an die drei Buchstaben denke, die schon im ersten Satz dieses Beitrags sitzen.

Es ist ja schön, dass ihr euch so umfassend mit diesem Thema auseinandergesetzt habt und nun eine realistische und für euch zufriedenstellende Aussage über kulturelle Bedeutung und Wichtigkeit dieses Themas machen könnt, aber leider seid ihr da Angehörige einer Minderheit. Ich würde mich auch nicht zu euch zählen. Es gibt zu viele Menschen, die nicht im Ansatz begreifen, was da abgelaufen ist. Man kann sie auch nicht dazu zwingen, dies zu tun. Aber mit solchen Gedenkstätten kann man das Problem, das damals bestand und leider sogar noch bis heute teilweise bestehen bleibt, begreifbar machen.

Ich finde, dass es schon eine gehörige Portion Ignoranz benötigt, um das Problem des Rassismus einfach so zu vernachlässigen. Meiner Meinung nach ist das Mahnmal eine sinnvolle Investition in die Zukunft, auch wenn ich Bedenken habe, was die Unversehrtheit desselben angeht.

Nathan
10.05.2005, 15:00
Joa Seph, dat seh ich anders. (und ja, ich hab auch so eine schöne Geschichts-Note wie du)
Mir ist eine übertriebene "Schuld-Kultur" wie es beispielsweise die NPd ausdrücken würde, allemal lieber als eine untertriebene. Sicher, wir heute lebenden sind nicht Schuld, aber wir sollten stets bedenken: wir haben Vorfahren die etwas schlimmes getan haben und unser heutiger Reichtum gründet darauf, dass Deutschland damals nur Unzureichende Reparationen an die Verfolgten zahlen musste - weil es bis zur Wiedervereinigung keinen wirklichen Friedensvertrag gab. Ausserdem ist es wichtig, die Vorzeichen zu kennen und Rassismus lieber mit Panik und dem Ruf "Nazi!" zu beantworten, als ihm zuzuhören und Gefahr zu laufen dass erneut ganze Generationen in seinen Bann geraten.

Im übrigen finde ich das Denkmal gelungen und hoffe, dass es genügend mündige Bürger gibt die nicht einfach anfangen etwas zu beschmieren. Womöglich können wir es auch als Test werten, wie viel Respekt wir heute vor den Opfern des Nationalsozialismus haben, was sich direkt aus der Anzahl Schmierereien ablesen liesse.

Sparkfist
10.05.2005, 15:39
Inzwischen habe ich mich mal ein bisschen beim ZDF umgesehen und ein Statement zu der Offenheit des Mahnmals gefunden:
Salomon Korn zum Holocaust-Mahnmal (http://www.rm2k-tv.de/stuff/korn_mahnmal.mp3)
Er vertritt demnach die gleiche Einstellung wie Nathan. Nun ja, eine ähnliche zumindest.

Quelle:
http://www.zdf.de/ZDFmt/mediathek/ZDFmt_video_cont/0,3498,MT-2296355--MD-180276-hi-1-3,00.html

Für alle, die sich das Mahnmal mal näher anschauen wollen, ohne gleich nach Berlin zu reisen:
http://linpop.zdf.de/3dview/heute/3dmahnmal/pano_frame.html?1-big

Holo
10.05.2005, 16:01
Ich weiß nicht, wie lange wir noch die Schuldigen sein sollen für etwas, was unser Land zwar tat, aber eben nun nicht mehr verhindern oder gar verantworten kann. Die letzten Überlebenden werden bald tot sein und es ist nicht nötig, sowas immer länger durchzukauen - es wird nicht erneut geschehen. Und wenn es das doch sollte, wird kein Gedenken es verhindern können.
Ich nehme keine Schuld auf mich und bin mir ziemlich sicher, dass ich auch damals nicht mitgemacht hätte.
Der Geschichtsunterricht ist voll von dem Thema, Mahnmale kommen immer mehr, im Fernsehen kommen alle 2 Tage Berichte, Dokus und Filme darüber. Jeder Staat macht Fehler - die einen größere, die anderen kleinere. Aber keiner gedenkt dessen auch nur halb so lange oder reuig wie wir. 60 Jahre sind 2 Generationen. Kann es dann nicht endlich mal gut sein? Das Mahnmal hat 28 Millionen Euro gekostet, oder? Für 28 Millionen Euro könnte man gegenwärtige Fehler viel sinnvoller beheben oder wenigstens lindern. z.B. könnte man damit 28 recht große Unterkünfte für Hunderte Obdachlose errichten oder Projekte zur Schonung der Umwelt unterstützen.
Aber nein - wir müssen das Geld ja ausgeben, um solch ein Mahnmal zu bauen, wo der Großteil der dt. Bevölkerung so oder so nie dran vorbei- oder gar durchgehen wird.
Ich finds sinnlos. Zumal das Mahnmal ohnehin schon bald geschändet werden wird, nehme ich an.

Übrigens noch einmal eine Aussage:
Wenn das Volk großteils etwas will, soll es das haben. Auch wenn es ein Fehler sein wird.
Man kann und sollte sowas nicht mit der Macht der Gesetzgebung verhindern.

.ashitaka
10.05.2005, 16:10
Ich sehe das Mahnmal grad zum ersten Mal bildlich. Also ich muss sagen, es sieht irgendwie ... schrecklich aus. Soll es ja vielleicht auch, aber so einen Mammut mitten in die Hauptstadt zu stellen, ist schon mutig.
Ich teile allerdings in etwa die Meinung eines Politikers, den ich gestern auf einem Studentenradiosender gehört habe. Der meinte, das Geld hätte man lieber in die autentischen Gedenkstätten, in die KZ-Überreste also, stecken können. Da ist nämlich der Aufklärungswert wesentlich hörer. So ein Teil steht halt nur nicht in der Innenstadt rum.
Auf jeden Fall unterstütze ich, das überhaupt an Mahnmalen gearbeitet wird, wir und die Folgegenerationen dürfen eben nicht vergessen. Andererseits ist es ganz schön heavy für die Anwohner, die jetzt jeden Morgen vor die Nase gehalten kriegen, was ihr Oppa für Mist gebaut hat. Hmpf. Schwieriges Thema.

Nathan
10.05.2005, 16:29
Das Mahnmal hat 28 Millionen Euro gekostet, oder? Für 28 Millionen Euro könnte man gegenwärtige Fehler viel sinnvoller beheben oder wenigstens lindern. z.B. könnte man damit 28 recht große Unterkünfte für Hunderte Obdachlose errichten oder Projekte zur Schonung der Umwelt unterstützen.
Nun, es mag hart klingen, aber solch ein Mahmal lockt auch Touristen an, selbst wenn es etwas schwer vorstellbar ist. Letztlich ist es auch Kunst und daher wohl vergleichbar, wie wenn man eine Statue aufbaut ect.

Holo
10.05.2005, 18:50
Nun, es mag hart klingen, aber solch ein Mahmal lockt auch Touristen an, selbst wenn es etwas schwer vorstellbar ist. Letztlich ist es auch Kunst und daher wohl vergleichbar, wie wenn man eine Statue aufbaut ect.
Und eine Statue halte ich ebenso für Schwachsinn.
In einer Nachbarstadt - Herford - wurde vor ein paar Tagen MARTa eröffnet, ein 26 Millionen Euro teures Gebäude für Kunst- und Kulturausstellungen sowie kleinere Messen.
IMO ist das auch herausgeworfenes Geld.
Statt immer wieder neue Gebäude für sowas an sinnbefreiten Orten zu errichten, sollten wirkliche Kulturgüter (wie z.B. die Semperoper) renoviert werden. Berlin hat so oder so schon genug Touristen. Und die paar mehr, die noch dazu kommen, werden die 28 Millionen Euro nie im Leben wieder in die Staatskasse bringen.

Nathan
10.05.2005, 19:13
Nun, das ist Ansichtssache, aber dein Standpunkt ist sicher auch nicht verkehrt.
Aber hey, wir leben in einer Demokratie, du kannst sogar deine Ansichten vertreten wenn sie dir wirklich wichtig sind... in nen Stadtrat kommt man in der Regel ziemlich leicht, viele Parteien interessieren sich nicht für Stadtpolitik ;)

Sephiroththe23
10.05.2005, 19:49
Das Thema "Schuld" hatten wir ja schonmal im Zusammenhang mit dem Aufmarsch der NPD. Ich sehe jedoch in diesem Mahnmal weniger eine Aufforderung zur Schuldbekennung, als eine Aufforderung zum Gedenken und zum Nachdenken über die Taten, die damals begangen worden sind.

Ja, oft genug getan, unter anderem 6 mal in Blöcken in der Schule (in Deutsch, Geschichte, Geographie, nochmal in Deutsch, nochmal in Geschichte, nochmal in Geographie) und 2en an der Universität.
Ich habe darüber nachgedacht, ich brauche keine 19.000m² Raumverschwendung um dies erneut zutun, dafür reicht mir ein gutes Buch.



Diese Einstellung, die ihr hier zeigt legt die Vermutung nahe, dass ihr diese geschichtlichen Ereignisse als vergangen und damit nicht mehr aktuell anseht. Das sehe ich allerdings anders, wenn ich an die drei Buchstaben denke, die schon im ersten Satz dieses Beitrags sitzen.

Es ist ja schön, dass ihr euch so umfassend mit diesem Thema auseinandergesetzt habt und nun eine realistische und für euch zufriedenstellende Aussage über kulturelle Bedeutung und Wichtigkeit dieses Themas machen könnt, aber leider seid ihr da Angehörige einer Minderheit. Ich würde mich auch nicht zu euch zählen. Es gibt zu viele Menschen, die nicht im Ansatz begreifen, was da abgelaufen ist. Man kann sie auch nicht dazu zwingen, dies zu tun. Aber mit solchen Gedenkstätten kann man das Problem, das damals bestand und leider sogar noch bis heute teilweise bestehen bleibt, begreifbar machen.

Nein, kann man nicht. Die Leute, die du da ansprichst, sehen in dem Mahnmal einen Haufen Steine.
Ich schlüge einen einzigen Themenkomplex im einzuführenden Pflichtfach der Nationalgeschichte vor, der sich mit dem entsprechenden Problem befasste, gleichzeitig schlüge ich differenzierte Ethik-Unterweisung bereits in der Unterstufe vor - das brächte mehr als das Mahnmal.


Ich finde, dass es schon eine gehörige Portion Ignoranz benötigt, um das Problem des Rassismus einfach so zu vernachlässigen. Meiner Meinung nach ist das Mahnmal eine sinnvolle Investition in die Zukunft, auch wenn ich Bedenken habe, was die Unversehrtheit desselben angeht.


Rassismus ist ein Problem? Wo denn bitte? Ersticken wir in Rassisten? Haben rassistische Partein in Deutschland irgendwo genügend Macht um wirklich etwas zu bewegen? Nein. Das ist ein Mythos.


Mir ist eine übertriebene "Schuld-Kultur" wie es beispielsweise die NPd ausdrücken würde, allemal lieber als eine untertriebene. Sicher, wir heute lebenden sind nicht Schuld, aber wir sollten stets bedenken: wir haben Vorfahren die etwas schlimmes getan haben und unser heutiger Reichtum gründet darauf, dass Deutschland damals nur Unzureichende Reparationen an die Verfolgten zahlen musste - weil es bis zur Wiedervereinigung keinen wirklichen Friedensvertrag gab. Ausserdem ist es wichtig, die Vorzeichen zu kennen und Rassismus lieber mit Panik und dem Ruf "Nazi!" zu beantworten, als ihm zuzuhören und Gefahr zu laufen dass erneut ganze Generationen in seinen Bann geraten.

Na und?
Es ist in keinem Land üblich, dass die Bürger über die Schuld von längst vergangenen Generationen nachdenken.
Natürlich, bei uns liegt das erst einige Generationen zurück, trotzdem empfinde ich es jetzt schon als überzogen.

Ausserdem ist es wichtig, die Vorzeichen zu kennen und Rassismus lieber mit Panik und dem Ruf "Nazi!" zu beantworten, als ihm zuzuhören und Gefahr zu laufen dass erneut ganze Generationen in seinen Bann geraten.

Welche Vorzeichen? Das es immer noch ein paar Marktschreier im Osten gibt die für ihre Partei 5% bekommen?
Die bekommen diese 5% nicht, weil die Menschen ihr Programm gut finden, die bekommen diese 5% weil die Menschen die Majoritätspartein hassen.
Es gibt keine "Vorzeichen des immer noch schwelenden Rassismus" in Deutschlands, meine Güte, geh mal in die USA.

Nathan
10.05.2005, 19:55
Ahja... und andere Länder dürfen wir nun als Entschuldigung nehmen dass wir etwas im eigenen Land zulassen?
"Okay, wir haben Menschen gefoltert, aber gehen sich doch mal in den Sudan."
"Wir richten Menschen hin, na und? Es sind längst nicht so viele wie in China."
"Bei uns Hungern Menschen, aber noch lange nicht so extrem wie in Afrika."

Das ist, gelinde gesagt, Schwachsinn, natürlich.

Sephiroththe23
10.05.2005, 19:58
So war es nicht gemeint.

Es bezog sich nur darauf, dass wir das nicht waren - weder waren wir es schuld, noch unterstützen wir das zwingend.
In keinem anderen Land denkt die jetztige Generation über die Verbrechen der Generationen vor 100 Jahren nach - und wir sollten das in dem Sinne, wie wir es tun, auch nicht tun.
Es ist etwas passiert, dass schrecklich war, dass sollten wir zur Kentniss nehmen und wir sollten darüber nachdenken, was wir dazu empfinden, wir müssen es aber nicht nach 50 Jahren immer noch auf's neue aufarbeiten.

Auf den 19.000 m² hätte man Obdachlosenwohnungen errichten können und von den Kosten, diese da monatelang kostenlos unterbringen können - soetwas wäre eine "gute" Nutzung gewesen.

Nathan
10.05.2005, 20:04
Ich verweise dann einfach mal darauf, dass der Architekt selbst der Meinung ist, dass es nicht um Schuld geht. Wir sind nicht Schuld und fertig, es geht darum dass wir über diese Schuldfrage hinwegkommen. Noch immer reden wir darüber, hast du Recht. Aber ich bezweifle dass wir das schaffen wenn wir nicht reden, sondern es verdrängen. Da besteht nämlich auch die Gefahr des Vergessens.
Natürlich darf man darüber streiten ob man das Geld nicht hätte sinnvoller nutzen können, doch dann verweise ich doch mal darauf dass wir in unserem schönen Land
a) unglaublich viele Millionäre haben
b) unglaubliche Summen durch Wirtschaftskriminalität und Steuerbetrug verlieren.

Ich denke nicht dass wir am kulturellen einsparen müssen um Obdachlosenwohnungen zu bauen und diese zu betreiben. Wir könnten sogar noch sehr viel mehr mit dem Geld bauen, ja, womöglich sogar die Staatsverschuldung besiegen.

Sephiroththe23
10.05.2005, 20:12
Natürlich soll man nicht vergessen, aber ich halte gerade diese Methode des ständigen Vor-Augen-führens für absolut falsch, denn dadurch stumpfen die Menschen ab. Eher sollte man entsprechende Aufklärungen fördern, die einmalig auf die Person bezogen geschehen und gut ist.
Meinetwegen führ einen Pflichtbesuch in einem Konzentrationslager in die Schulzeit ein, das wäre sinnvoller als die Besäufnis-Klassenfahrten, die üblich sind.

Zu a) Das Geld gehört ihnen, da hat der Staat nichts zu sagen
Zu b) Das wird bekämpft.

Ist es denn wirklich etwas kulturelles, an dem wir einsparten?
Besser, sollte es das sein?
Es ist Teil unserer Geschichte, aber sollten wir es als Teil dessen Betrachten, dass unsere Kultur formt? Wenn ja, warum?

[Septic]
10.05.2005, 21:40
Ich persönlich empfand den Besuch des VL Buchenwald mit dem Deutsch LK in der 13ten (übrigens freiwillig) übrigens interessanter und auch nahegehender als das Mahnmal in Berlin. Das habe ich vor wenigen Wochen 'unfertig' gesehen. Und ganz ehrlich, das hat mir genügt. Ein zweites Mal würde ich es mir nicht ansehen. Beim VL Buchenwald ist dies anders. Dies _habe_ ich freiwillig zwei Mal besucht. Allein, weil ein Tag nicht ausreicht, um auch nur einen Bruchteil der Eindrücke dort zu verarbeiten.

Ich denke, wie einer meiner Vorredner so schön zitiert hat, man hätte das Geld, das für die Granit(?)-Blöcke verbraucht wurde, besser in die 'Gestaltung' echter KZs investieren sollen.
Oder in vernünftige Aufklärung in Schulen: Nicht 4 Jahre das gleiche Thema (wie bei mir), sondern, wie S23 vorschlug, Klassenfahrten zu echten Gedenkstätten oder Anschaffung authentischer Materialien, Museumsbesuche, etc.
Darunter können sich Menschen mehr vorstellen, als unter Steinblöcken.

Chaplin
14.05.2005, 00:08
Und hier haben wir es schon. Wenige Stunden nach dem das Mahnmal eröffnet wurde beschmutzte ein Unbekannter ein Granitblock mit einem Hakenkreuz.
Quelle (http://shortnews.stern.de/shownews.cfm?id=572498&u_id=262813)

Ich denke auch, dass man die 28 Million sinnvoller hätte verwenden können und frage mich ehrlich warum so ein Projekt so viel kosten muss? Gäbe es keine billigeren Alternativen?
Ist nun die Botschaft wichtig oder wieviel es im Endeffekt gekostet hat?

Freakie
14.05.2005, 00:20
Ich besuchte im letzten Winter während einer verpflichtenden Bildungsfahrt unserer Klasse ebenfalls das Konzentrationslager Buchenwald. Ich muss sagen, dass ich danach noch einmal um einiges radikaler gegenüber deutschem Rassismus geworden bin. Und er existiert tatsächlich. Sicherlich nicht in dem Ausmaß des Rassismus anderer westlicher Staaten, doch dies auch nur, weil in diesem Land spätestens seit den Reaktionen auf die 1968er Studentenrevolte eine umfangreiche Prävention betrieben wird. Ich habe damals drei "Besuche" im KZ Buchenwald gebraucht, um auch nur annähernd mit den Eindrücken fertig zu werden. Bleibt anzumerken: Buchenwald war kein Vernichtungslager. Buchenwald war auch kein großes Lager. Buchenwald hat nicht annähernd die Dimension von Auschwitz erreicht. Buchenwald wurde vor fünfzig Jahren größtenteils zerstört, um die unverändert schlimme Nutzung des Lagers unter sowjetischer Nachkriegsregentschaft zu verbergen. Aber das, was dort geschehen ist und man heute dank einer guten Aufbearbeitung der Informationen sehen kann, reicht, um einen ein Leben lang zu prägen. Nur: Weder Buchenwald, noch Theresienstadt, weder Dachau noch Auschwitz werden ausreichen, um das Andenken an jene dunkele Zeit zu bewahren.

Einmalige Aufklärung reicht eben gerade nicht. Was zählt ist fortwährende Medienpräsenz, sonst wird sich in zehn bis fünfzehn Jahren kaum einer mehr für das Thema interessieren. Beispiel Tschernobyl: Zuerst forderte die überwiegende Bevölkerung angesichts verseuchter Lebensmittel, persönlicher Einschränkungen und der weiterhin akuten Bedrohung durch noch folgende GAUs den Ausstieg aus der Kernenergie. Heute ist die Befürwortung letzterer schon fast wieder Mode - vor allem unter der jüngeren Generation. Man fühlt sich nicht mehr bedroht, sieht es als abgeschlossene Vergangenheit an. Solche Veränderungen im Bewusstsein der Menschen gibt es noch viele weitere. Und auch was das dritte Reich betrifft werden sie stattfinden, wenn wir es zulassen. Es geht nicht mehr darum, sich schuldig zu bekennen. Das können wir nicht, denn wir sind es nicht. Und es verlangt - abgesehen von einigen ewig Gestrigen - auch keiner mehr von uns. Unsere Verantwortung liegt darin, das öffentliche Bewusstsein jederzeit so zu sichern, dass ähnliche Genozide wie zur Zeit des Nationalsozialismus zumindest bei uns nicht mehr vorkommen. Diese Verantwortung liegt bei uns allen, die wir Bürger der westlichen Welt sind - egal, welcher Nation wir angehören.

Ich erwähnte bereits die Wichtigkeit der Medien. Doch diese Medien werden nur auf das aufmerksam, was neu und vielleicht auch fragwürdig ist. Deswegen sind Mahnmale wie das in Berlin wichtig. Aber auch, weil sie den Menschen, die eine andere Aufarbeitung der Geschichte zur Festigung eines antirassistischen Bewusstseins scheuen, dies vor die Nase hält - sie darauf aufmerksam macht. Wie bereits in diesem Thread erwähnt wurde, stehen Konzentrationslager nunmal nicht in der Innenstadt herum. Aber Menschen, die durch das Mahnmal "Interesse" an der Problematik gewonnen haben, machen sich dann die Mühe, sich diese anzuschauen.

28 Millionen Euro sind Lapalien. Kein Bahnhof, kein Bürogebäude, kein Transrapid sind so günstig. Das Geld kann von überall hergenommen werden, es ist da. Das, was in Sachen Finanzpolitik zu kritisieren ist, ist die enorme Verschwendung öffentlicher Gelder: Sie hat mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen, dass man ohne sie binnen eines Jahres die Staatsschulden zu 100% tilgen könnte. Verschwendung, das bedeutet: Autobahnprojekte, die mitten im Bau gestoppt werden, weil das Geld fehlen würde und ewig als Bauruinen stehen bleiben werden; ICE-Trassen, die einen reellen Geschwindigkeitsgewinn von 5 Minuten auf voller Strecke gegenüber normalen Zügen bieten, weil dazwischen 2 Kilometer alter Schienen liegen. Flughäfen, die - wie in Berlin - am laut aller Gutachten ungünstigsten und kostspieligsten Platz gebaut werden, weil er am nähesten am zuständigen Verkehrministerium liegt. So etwas verschlingt im Jahr über Einhundert Milliarden Euro. Da sind ein paar Millionen Euro für ein unbequemes Kunstwerk zur Erinnerung an 6 Millionen ermorderte Menschen doch wirklich nicht viel, oder?

Das Thema Rassismus und Nationalsozialismus wird niemals abgeschlossen sein, weil diese immer ihre Anhänger finden werden. Wir haben die Möglichkeit, aus der Vergangenheit zu lernen und sie gegen jene Probleme anzuführen. Aber wenn wir die Vergangenheit wegsperren - oder auch nur aus dem öffentlichen Bewusstsein nehmen - , mit ihr "abschließen", töten wir die Opfer des dritten Reiches und Hitlers Machtwahns ein weiteres Mal. Und vielleicht irgendwann auch ihre Kinder.

Bleibt abschließend anzumerken, dass die Säulen von vornherein mit einer Schutzbeschichtung gegen Graffitis versehen wurden. Nicht umsonst gab es einen "Skandal" um deren Hersteller, dessen Tochterfirma Degussa die Nationalsozialisten damals mit dem Giftgas Zyklon B versorgt hat.

[EDIT] Das erste Hakenkreuz im Mahmal. Wir könnten uns jetzt bestätigt fühlen in dem Trugbild, dass das Projekt sein Ziel verfehlt hat. Oder aber wir sehen jetzt deutlicher denn je, dass die Geschichte nicht totzuschweigen ist. Ich sage: Wenn ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus durch neonazistischen Pöbel geschändet wird, war seine Errichtung notwendiger als jemals zuvor! Und jede weitere Schmiererei wird zu einer antifaschistischen Propaganda werden. Danke, Nachwuchsbraune dieser Welt!

Zur weiteren Begründung dieser - zugegeben - etwas reißerisch formulierten Textsäule kann ich dank unserer Gesellschaft schon jetzt einige unglaublich, eh, qualifizierten Kommentare auf Sternshortnews anführen. Einen herzlichen Dank an die Verfasser.

Scar
14.05.2005, 12:05
So, ich muss S²³ erste argumentation mal auch unterstützen. (Und ja, auch ich habe eine hübsche Geschichts Note im LK 0_o ).
Ich finde es gut und richtig und auch wichtig, dass man der jugend zeigt was damals geschehen ist und ihnen vor Augen führt, dass sowas nicht mehr passieren darf. ABER:
Ich halte es für totalen Unfug, dass man mich permanent daran erinnern muss was während des Nazi.Regimes geschehen ist... ich hab damit nix zu tun und ich glaub nach dem 1000. mal raff ich durchaus die Ernsthaftigkeit der Sache. aber ich fühle mich in Schule etc. schon regelrecht mit dem Thema belästigt, denn es wird ununterbrochen immer wieder aufgegriffen und durchgekaut.
Solche Mahnmale finde ich armseelig... zumal man sie mit derselben Warnung ni jedem Land aufstellen könnte.... was aber unwichtig ist. Viel wichtiger finde ich, dass a) Wenn man mal ehrlich ist kein großer Klumpen Stein oder was auch immer ernsthaft an der Meinung der Menschen kratzt und das b) man das Geld z.B. in Schulebn stecken könnte.... aber nein, Deutschland hatte ja schon immer den Hang sein Geld lieber für belanglosigkeiten rauszuwerfen.

Sparkfist
15.05.2005, 00:52
Ich war heute beim Mahnmal und bin ein paar Mal durchgelaufen. Dabei kam mir das Ganze leider eher wie eine Sensation auf dem Jahrmarkt vor, weil die Leute drumherum alle so taten, als wären die Stelen so angelegt, damit man verstecken spielen kann. O_o Allgemein sorgte der Rummel dafür, dass die Atmosphäre, die durch die Fernsehübertragungen rüber kam, nur sehr schwach aufkam. In das Infocenter bin ich leider auch nicht reingekommen, weil der Andrang zu groß war. Da muss man sich an einem Häuschen anstellen, von dem aus die Besucher Schubweise hereingelassen werden. Da es regnete und man größtenteils im Freien stand, wollte ich das aber lieber lassen.
Trotzdem hat es sich meiner Meinung nach gelohnt, denn Eindrucksvoll ist das Mahnmal alle Mal! ;D Besonders der Kontrast drinnen zu draußen ist enorm.

Ich habe meinen Besuch übrigens auch aufgezeichnet. Ein 5 Minuten langes Video, WMP9-Format, ca. 35 MB groß.
http://www.rm2k-tv.de/MAHNMAL.zip
Am Ende sieht man dann noch, was sich der Architekt dabei gedacht hat, die Konstruktion so unübersichtlich zu gestalten! Ich sage nur: Frederik! XD