Wyvern
17.05.2005, 22:32
Hier mal eine kurze Erzählung von mir. Vielleicht gefällt sie ja dem einen oder anderen. ;)
Ich möchte lediglich vorweg nehmen, dass nicht die Geschichte selbst für meine Absicht ausschlaggebend ist, sondern das, was sich daraus interpretieren lässt. Im Prinzip spiegelt sie meine Lebenseinstellung wider, die vor allem in den letzten Worten deutlich wird. Auf geht's:
__________________________________________________ ______________
Wie die undurchdringliche Mauer eines fremden Traumes umringten ihn die stur gen Erde strebenden Regenheerscharen. Sein gesenkter Blick folgte dem schlammigen Pfad, der sich in unendliche Weiten wand – nicht so weit wie seine immer wiederkehrenden Gedanken zwar, doch weiter, als ihn seine Füße je tragen würden. Ein matter Lichtblitz, kurz darauf ein ferner Donner, nurmehr ein dumpfes Dröhnen, wie von einem unsichtbaren Dampfer, der den Himmel bereist.
Sein Magen verursachte ähnliche Geräusche, jedoch waren diese weit wirklichkeitsnäher und präsenter als die zornigen Götterstimmen. In zwei Tagen nicht mehr als ein halb vertrocknetes Brot, nicht mehr als ein paar Schlücke brackigen Wassers mit modrigem Geschmack, der ihm noch jetzt auf der Zunge lastete. Und doch gab es etwas, das ihn vorantrieb, das ihn unbeirrt seiner Wege gehen und den hohen Wert des Lebens erkennen ließ.
Manchmal drohte ihm diese Sicherheit zu entschlüpfen – wenn sich jene Gedanken ihren Weg in sein Innerstes bahnten und düstere Schleier um sein Gemüt legten, deren Farbe den bewölkten Alltag widerspiegelte. Eine Vergangenheit voller ungenutzter Möglichkeiten und verhängnisvoller Fehler, die ihn auf diesen Pfad geführt hatten, den entlangzuwandern er für den Rest seiner Existenz verdammt sein würde. Sobald ihn derlei Erinnerungen zu übermannen anfingen, stieß er sie grob beiseite, um etwas anderem Platz zu machen – etwas, das ihn zu erfüllen vermochte, mit reinigenden Empfindungen und erwiderter Liebe.
Obgleich sich der Ton des Himmels nicht verdunkelte, spürte er die Nacht heranbrechen. Auch an diesem Abend schien sich eine kräftigende Mahlzeit ihm entziehen zu wollen – es enthüllte sich nicht einmal ein vereinzelter Apfelbaum am Wegesrand. Statt dessen ein weiterer Blitz, ein weiterer Donner.
Dennoch entrang sich ihm kein Seufzen, als er sich auf dem durchnässten Rasen neben dem aufgeweichten und doch erbittert harten Pfad niederließ. Ein leerer Rucksack diente ihm als Kopfkissen, während er fröstelnd einem unruhigen Schlaf entgegendämmerte.
Ohne dass er es merkte, wich die Nacht einem neuen Morgen. Das Regenheer hatte sein unbekanntes Ziel erreicht und die Wolkendecke war aufgebrochen, um ihre Einzelteile über den Himmel zu verstreuen. Er setzte sich auf, sehnsüchtig den Augenblick erwartend, der seiner Reise täglich einen neuen Sinn verlieh. Sein Blick wanderte den Pfad entlang, nun nicht mehr von herabstürzendem Wasser gehalten, und heftete sich auf den baumlosen Horizont, der orangefarben glühte und das Erscheinen einer höheren Macht ankündigte. Langsam, ganz langsam hob sich ein gewaltiger, strahlender, kreisförmiger Körper empor, der das Land mit seinem Glanz erfüllte und das allumfassende Leben mit seiner barmherzigen Anwesenheit begrüßte.
Ein leises Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, das sich rasch in ein freudiges Grinsen verwandelte.
Ja, ein neuer Tag war angebrochen, und mit ihm war ein weiterer Schritt in Richtung eines unermesslich fernen Ziels getan, das zu erreichen er sich jedoch plötzlich imstande fühlte – der Pfad war kürzer geworden, und er geleitete ihn aus der Finsternis in behagliche Wärme.
Ich möchte lediglich vorweg nehmen, dass nicht die Geschichte selbst für meine Absicht ausschlaggebend ist, sondern das, was sich daraus interpretieren lässt. Im Prinzip spiegelt sie meine Lebenseinstellung wider, die vor allem in den letzten Worten deutlich wird. Auf geht's:
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Wie die undurchdringliche Mauer eines fremden Traumes umringten ihn die stur gen Erde strebenden Regenheerscharen. Sein gesenkter Blick folgte dem schlammigen Pfad, der sich in unendliche Weiten wand – nicht so weit wie seine immer wiederkehrenden Gedanken zwar, doch weiter, als ihn seine Füße je tragen würden. Ein matter Lichtblitz, kurz darauf ein ferner Donner, nurmehr ein dumpfes Dröhnen, wie von einem unsichtbaren Dampfer, der den Himmel bereist.
Sein Magen verursachte ähnliche Geräusche, jedoch waren diese weit wirklichkeitsnäher und präsenter als die zornigen Götterstimmen. In zwei Tagen nicht mehr als ein halb vertrocknetes Brot, nicht mehr als ein paar Schlücke brackigen Wassers mit modrigem Geschmack, der ihm noch jetzt auf der Zunge lastete. Und doch gab es etwas, das ihn vorantrieb, das ihn unbeirrt seiner Wege gehen und den hohen Wert des Lebens erkennen ließ.
Manchmal drohte ihm diese Sicherheit zu entschlüpfen – wenn sich jene Gedanken ihren Weg in sein Innerstes bahnten und düstere Schleier um sein Gemüt legten, deren Farbe den bewölkten Alltag widerspiegelte. Eine Vergangenheit voller ungenutzter Möglichkeiten und verhängnisvoller Fehler, die ihn auf diesen Pfad geführt hatten, den entlangzuwandern er für den Rest seiner Existenz verdammt sein würde. Sobald ihn derlei Erinnerungen zu übermannen anfingen, stieß er sie grob beiseite, um etwas anderem Platz zu machen – etwas, das ihn zu erfüllen vermochte, mit reinigenden Empfindungen und erwiderter Liebe.
Obgleich sich der Ton des Himmels nicht verdunkelte, spürte er die Nacht heranbrechen. Auch an diesem Abend schien sich eine kräftigende Mahlzeit ihm entziehen zu wollen – es enthüllte sich nicht einmal ein vereinzelter Apfelbaum am Wegesrand. Statt dessen ein weiterer Blitz, ein weiterer Donner.
Dennoch entrang sich ihm kein Seufzen, als er sich auf dem durchnässten Rasen neben dem aufgeweichten und doch erbittert harten Pfad niederließ. Ein leerer Rucksack diente ihm als Kopfkissen, während er fröstelnd einem unruhigen Schlaf entgegendämmerte.
Ohne dass er es merkte, wich die Nacht einem neuen Morgen. Das Regenheer hatte sein unbekanntes Ziel erreicht und die Wolkendecke war aufgebrochen, um ihre Einzelteile über den Himmel zu verstreuen. Er setzte sich auf, sehnsüchtig den Augenblick erwartend, der seiner Reise täglich einen neuen Sinn verlieh. Sein Blick wanderte den Pfad entlang, nun nicht mehr von herabstürzendem Wasser gehalten, und heftete sich auf den baumlosen Horizont, der orangefarben glühte und das Erscheinen einer höheren Macht ankündigte. Langsam, ganz langsam hob sich ein gewaltiger, strahlender, kreisförmiger Körper empor, der das Land mit seinem Glanz erfüllte und das allumfassende Leben mit seiner barmherzigen Anwesenheit begrüßte.
Ein leises Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, das sich rasch in ein freudiges Grinsen verwandelte.
Ja, ein neuer Tag war angebrochen, und mit ihm war ein weiterer Schritt in Richtung eines unermesslich fernen Ziels getan, das zu erreichen er sich jedoch plötzlich imstande fühlte – der Pfad war kürzer geworden, und er geleitete ihn aus der Finsternis in behagliche Wärme.