Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Live Aid
Wie sicherlich unschwer zu erkennen war, schon allein durch die Medien, war gestern LIVE AID. Der Sinn dieser Veranstaltung, die von Bob Geldof ins Leben gerufen wurde (1985), ist dieser:
Am Mittwoch den 6. Juli werden die acht Regierungschefs der mächtigsten und reichtsten Länder der Welt für ein Gipfeltreffen in der schottischen Stadt von Gleneagles zusammenkommen.
Diese Männer können die Weltarmut beenden und die Zukunft von Millionen von Menschen ändern. Sie werden es aber nur machen, wenn genug von uns es ihnen sagen. Darum geht "LIVE 8 – Der lange Weg zur Gerechtigkeit" und dafür brauchen wir Ihre Stimmen und nicht Ihr Geld.
Im Rahmen dieses Projektes wurden an 9 Plätzen auf der Welt Konzerte von großen Bands gespielt, zeitgleich versteht sich, die insgesamt über 2.000.000 Zuschauer hatten, im Tv sogar über 3 Mrd.
Übertragen wurden Ausschnitte etc. auf zahlreichen deutschen Tv Sendern, wie z.B. Phoenix, Ard, HR, Mdr, Viva.
Ziel ist es damit so viele Menschen wie möglich nach Schottland zu bewegen, wo sie am Mittwoch (zum G8-Gipfel) mit über 1.000.000 Menschen rechnen um diese unter Druck zu setzten.
Ein Projekt ohne Beispiel.
Würde mich freuen wenn sie einige Ziele erreichen.
Nachhaltige Informationen unter http://www.live8live.com/.
.ashitaka
03.07.2005, 20:56
Ich vertete in etwa die Meinung Damon Albarns (Gorillaz). Live Aid behandelt Afrika wie einen armen, kleinen Krüppel, und das hat der Kontinent in dem Sinne nicht verdient.
Sicher wären Erfolge schön und gut, ich zweifle aber daran, dass die G8-Teilnehmer aufgrund der Menschenmasse vor ihrer Haustür ein paar Glocken in den Süden schicken.
Die G8 Länder, die maßgeblich an der Ausbeutung Afrikas beteiligt waren, sollen Afrika nicht wie "einen armen, kleinen Krüppel" behandeln, darum geht es nicht, sondern sie sollen Gerechtigkeit üben. Dazwischen liegt ein meilenweiter Unterschied.
.ashitaka
03.07.2005, 21:20
Live 8 behandelt Afrika wie einen armen, kleinen Krüppel. Nicht die G8 Länder.
Tetshuno
03.07.2005, 21:46
Hieß das diesmal nicht Live Eight? Live Aid ist doch schon alt.
Hieß das diesmal nicht Live Eight? Live Aid ist doch schon alt.
Heißt auch Live 8. Steht aber eben für Live Aid. Sollte nur von 1985 abgrenzen.
Live 8 behandelt Afrika wie einen armen, kleinen Krüppel. Nicht die G8 Länder.
Wie soll es deiner Meinung nach sonst geschehen?
.ashitaka
03.07.2005, 21:55
Wäre nach außen hin zum Beispiel schon mal viel besser gekommen, Afrika selbst besser einzubinden. Afrikanische Acts z.B.. Oder bin ich nur mal wieder desinformiert? Wirkte halt in meinen Augen arg nach "Die großen Länder blicken mitleidig nach unten." Ich zitiere an dieser Stelle mal laut.de, Damon Albarn find ich gut.
An einem Auftritt bei Live 8 besitzt Albarn aber kein Interesse. In einem BBC Radio-Interview legt er seine Gründe dar. Für ihn wirken die Konzerte vornehmlich wie eine riesige Werbeaktion für die Teilnehmer. "Es steht ganz außer Frage", erklärt der Frontmann, "dass alle Künstler, die dort spielen, mit Rekordverkaufszahlen ihrer Platten rechnen können." Eigentlich müssten die Musiker für den Auftritt zur Kasse gebeten werden. Albarn fordert, dass die Bands Druck auf ihre Plattenfirmen ausüben, damit die resultierenden Gewinne gespendet werden.
Albarn wolle des weiteren nicht an einer Veranstaltung teilnehmen, die derart exklusiv sei. Konkret moniert er die geringe Zahl afrikanischer Künstler bei Live 8. Das sei gerade in einem so vielfältigen Land wie Großbritannien unverständlich: "Mehr als je zuvor ist die schwarze Kultur ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft, warum also ist das Lineup so verdammt angelsächsisch?".
Wo er Recht hat.
[edit] Geht sogar noch weiter:
Die Veranstalter schlügen die Tür vor dem schwarzen Kontinent einfach zu, degradierten ihn zum passiven stereotypen Hilfeempfänger, meint Albarn. Das Event behandele Afrika "wie einen missratenen, kranken, leidenden, müden Ort". Die britische Organisation Black Information Link hatte den Vorwurf vor wenigen Tagen ebenfalls vorgebracht. Daraufhin verwies Geldof auf die Internationalität von "weißen" Bands wie Rolling Stones, U2 und Coldplay.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,363168,00.html
Das trifft so ziemlich genau mein Denken.
Tatsächlich sind solche Aktionen wie Live 8 ziemlicher Schwachsinn. Da wäre es sogar noch effektiver sich in Bolivien den Paras anzuschließen und selbst das ist, gelinde gesagt, nicht gerade die Beste Idee... Schuldenerlass für die ärmsten Länder, schön und gut. Aber wies im Spiegel-Artikel steht, der ist längst beschlossene Sache... oh, und wir dürfen dafür natürlich löhnen. Wir als verschuldeter Staat, nicht die Kreditvergeber der Länder, die Riesengewinne haben, ne, die Industrieländer. Das heisst auch, dass man keinerlei Kontrolle hat über das, was mit der freiwerdenden Finanzkraft der Länder passiert. Werden sofort neue Kredite aufgenommen um Waffen zu kaufen? In vielen Ländern ist vermutlich genau das der Fall. Und die Banken, die gerade ihre vergebenen Kredite von den Industrieländern gezahlt bekommen haben werden vermutlich nicht scheuen neue Kredite zu vergeben, klappt ja alles, sie kriegen ihr Geld.
Und noch etwas negatives folgt aus diesen Konzerten: das öffentliche Bewusstsein, die Solidarität mit den ärmsten der armen, verpufft in einer völlig sinnlosen Aktion. Man glaubt, anhand der überwältigenden Zahlen der Konzertbesucher, jetzt sei etwas ebenso großes gefolgt. Ist es aber nicht. Live 8 wird die Probleme der Welt nicht lösen, das können solche Probleme nicht.
Kann mich dem eigentlich nur anschließen... imho ist Live 8 eine lächerliche Promo-Veranstaltung für Stars, genauso wie viele andere derartige Events...
Ich sehe die ganze Sache ungefähr wie Ashi.
Zumal in Afrika schon seit Jahren Bürgerkriege herrschen und die Versorgungsgüter oft niemals bei den bedürftigen ankommen, weil der Hunger als "Waffe" in diesen Bürgerkriegen verwendet werden.
Aber was sollen wir machen ? Soll Amerika wie 93`wieder Soldaten nach Afrika schicken, welche dann versuchen sollen die Bürgerkriege zu erlöschen und eine westliche infrastruktur aufzubauen ?
Tatsache ist das Afrika ein schwerer Patient ist für Dr. Westliche Welt.
Es ist nicht damit getan das ein paar dutzend bands irgendwo auf der Welt Konzerte spieln.
Afrika hängt in großen Teilen des Landes, mehrere Jahrhunderte in Sachen Technologie zurück. Da ist der Kulturschock unerwünscht.
Afrika wird von der Welt wie ein dummes Kind behandelt, dass gefüttert werden muss. Es wird durchs essen aber trotzdem nicht schlauer.
Um das Thema wohltätigkeit aufzugreifen :
Die meisten Stars benutzen "Charity", einfach nur aus einem Grund...
Promo, Promo, Promo...
Ich zeige respekt vor dem kleinen Mann, der ehrenamtlich nach Afrika fährt um dort Entwicklungshilfe zu leisten.
Bestes Beispiel für die Promoaktion ist "Chiara Ohoufen" (kA wie man die schreibt)
1. Sie sagt in einem Interview das sie die PETA unterstützt und trägt im gleichen Augenblick ein Pelzschal und einen Pelzhut.
Der Redakteur fragt sie dann warum sie denn Pelz trägt...
Sie sagte darauf :"Naja heute achte ich darauf das ich nicht ZU viel Pelz trage, diese armen kleinen Tiere tun mir so leid !"
2. Bei dieser Charityaktion war sie in einem Behinderten Heim um sich dort einen Tag lang um die Behinderten zu kümmern.
Beim Abschied kommt ein Behinderter auf sie zu und will sie umarmen. Sie versucht ihn die ganze zeit dezent wegzudrücken und guckt als müsse sie gleich kotzen...
TschernoBill
04.07.2005, 11:12
Also was soll man eurer Meinung nach machen?
Nichts, oder wie?
Weil Medienrummel (der mit solchen Aktionen immer verbunden ist) eh nichts bringt und Musik ja eh nicht die Welt oder das Denken von anderen Menschen ändern kann? (Gerade von dir Ashi, als Musiker, hätte ich da was anderes erwartet.)
Es ist nicht damit getan das ein paar dutzend bands irgendwo auf der Welt Konzerte spieln.
Es ist aber immerhin ein Zeichen dafür dass es nicht unbeachtet bleibt was in Afrika geschieht. Außerdem gab es einige afrikanische Künstler, die sich an den Konzerten beteiligten, es gab ja auch ein komplettes Konzert in Johannesburg (Und das liegt nicht in Deutschland, wie manche Kami User jetzt wohl meinen mögen...)
Wie Okami schon erwähnt hat ist es damit natürlich noch nicht getan, aber wenn jedes dumme Mercedes-Auto seine eigene PR-Shows hat, warum darf dann Hilfe für Afrika nicht auch eine haben?
Denn dass Bill Gates zum Beispiel 4 Milliarden Euro bei Live 8 gespendet hat, für wohltätige Zwecke, und dass der Erlös von Download Singles, DVDs und anderen Promo Artikeln auch komplett nach Afrika gespendet werden wollen hier wohl einige User nicht sehen.
Aber bringt ja alles eh nichts, warum dann auch spenden....
[Edit]
Afrika wird von der Welt wie ein dummes Kind behandelt, dass gefüttert werden muss. Es wird durchs essen aber trotzdem nicht schlauer.
wtf?! Denk nochmal darüber nach was du da eigentlich gerade von dir gegeben hast...
-Tscherno-
@Tscherno : Okay, kann man missinterpretieren... ich meinte damit das es nicht damit getan ist immer nur den Hunger und das sterben anzusprechen. Wir können Afrika nur den richtigen Weg zeigen und es unterstützen, aus der Armut kommen sie nur wenn sie selbst interesse an Bildung zeigen (was ja zum glück immer mehr der Fall ist).
Ausserdem weiss die Welt nicht erst sei Live 8 das in Afrika hunger herrscht.
Sephiroththe23
04.07.2005, 14:05
Nichts, oder wie?
Korrekt.
Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen verbessern sich die Lebensverhältnisse überall auf der Welt - nicht in gleichem Maße, nicht in fairem Maße, aber das ist auch irrelevant.
Wir könnten es uns sowieso nicht leisten, afrikanische Länder auf Industrieland-Status zu bringen, dass würde die Welt in viel größere Probleme stürzen.
Der Punkt wiederum ist, das wissen die wenigsten - und viele wollen wirklich einfach nur helfen, eigentlich doch sogar ein hegeres Ziel.
Ich unterstütze Hilfe für die Armen, durchaus, aber solche massiven Promo-Events unterstütze ich nicht, denn die sind in meinen Augen zu kommerziell geprägt und der Spender bekommt etwas für sein Handeln geboten.
.ashitaka
04.07.2005, 15:24
@ Tscherno: Wo habe ich behauptet, dass ich die Aktion gänzlich nutzlos finde? Die Idee ist gut und schön, dann aber doch bitte mit multikulturellem Line Up, das zeigt, was Afrika zu bieten hat. Die großen Sternchen müssen sich nicht zwingend aufführen wie reiche Helfer, die mitleidenswert auf den schwarzen Kontinent herabschauen.
Blablub, Seph, du bist n oller Träumer und glaubst noch immer an die utopischen Versprechen einer freien Marktwirtschaft. Würde ich dir jetzt aber selbiges in Verbindung mit sozialistischer Wirtschaft erzählen, würdest du mich wohl nur auslachen. Faktum ist nunmal, dass es genügend Gegenden gibt in denen sich der Lebensstandard eben nicht verbessert sondern stagniert oder, häufiger noch, sinkt.
Aber was nun tun? Ne Idee wäre zu erst einmal, diese dämlichen Idioten zu feuern, die derzeit die Aktionen gegen die Geschehnisse im Sudan "leiten", die tun nämlich gar nichts ausser hin und wieder demonstrativ mit dem Helikopter über das Gelände zu fliegen. Dann sollte man der Regierung sämtliche finanzielle Hilfe entziehen, bis sie bereit ist UN-Truppen ins Land zu lassen und zustimmt, bis auf weiteres ihre eigenen Truppen zu entwaffnen. Zeitgleich sollte man die sudanesischen Befreiungstruppen unterstützen, natürlich unter der Bedingung dass sie alles tut um weiteres Blutvergiessen zu vermeiden. Am wichtigsten wäre hierbei auch eine stabile Befehlsstruktur, die fehlt nämlich zu großen Teilen.
Ähnliches wäre auch anderswo möglich. Auch sollte man bei UN-Einsätzen ect. darauf achten, dass die Truppen von Ländern gestellt werden, gegen die keine besonderen Ressentiments gehegt werden. Es wäre z.B. blöd einen christlichen Amerikaner in muslimische Teile des Sudans zu schicken. Dazu sollten die Truppen auch eine Ausbildung in den Sitten und Verhaltensweisen ihrer Einsatzgebiete erhalten, das wird viel zu oft vernachlässigt.
Erst dann würde Entwicklungshilfe einem Land wie Sudan wirklich etwas bringen, wenn die Verhältnisse stabil sind und eine die Menschenrechten akzeptierende Regierung im Amt ist.
Bloss wäre solch ein Vorgehen weit schwieriger durchzusetzen als eine "zomg, wir schicken jetzt Geld nach Afrika, sind wir nich nett?"-Aktion, da militärische Aktionen, selbst die durchdachtesten , stets mit Verwundeten und auch Toten verbunden sind, was die Öffentlichkeit in der Regel nicht akzeptieren will.
Aber wer trotzdem etwas gegen das Leid in der Welt tun will möge sich eine Waffe schnappen, in den Dschungel nach Bolivien fliegen und sich den paras anschliessen. Dann darf man auch am eigenen Leib erfahren was es bedeutet, wenn die freie Marktwirtschaft sich soweit ausdehnt, dass sie selbst Militäraktionen eines Staates übernehmen darf...
Sephiroththe23
05.07.2005, 15:50
Blablub, Seph, du bist n oller Träumer und glaubst noch immer an die utopischen Versprechen einer freien Marktwirtschaft. Würde ich dir jetzt aber selbiges in Verbindung mit sozialistischer Wirtschaft erzählen, würdest du mich wohl nur auslachen. Faktum ist nunmal, dass es genügend Gegenden gibt in denen sich der Lebensstandard eben nicht verbessert sondern stagniert oder, häufiger noch, sinkt.
Nein. Ich glaube an Statistiken die ich selbst nachvollzogen habe - und an Bjørn Lomborg.
Der Lebensstandard sinkt - im Durchschnitt - nirgendwo, da muss ich dich entäuschen.
Es geht mir auch nicht darum zu sagen "Ach, passiert eh nix", ich finde dieses Gerede und den "Spaß" am Untergang der Menschheit "Ach, wir gehen ja eh unter und ach es geht uns ja allen so schlecht" nur leicht ermüdend.
Wer wirklich die Mittel hat, zu helfen, der möge in ein Dorf in Afrika o.ä. reisen und dort einen Brunnen errichten, sofern Grundwasser ausreichend vorhanden, und einige Säcke Samen sowie handbetriebene Beackerungsgerätschaften mitnehmen und einen Acker anlegen. DAS wären Maßnahmen, die auf lange Zeit wirksam wären und immerhin ein Dorf langfristig "retten" würden.
Wer jedoch auf ein Benefiz-Konzert geht, als Star in Afrika ein Konzert gibt oder ne Kiste Wasser nach Afrika schickt, bewirkt gar nichts. Afrikanischen Regierungen fehlt meist die Kontrolle über das Land, um wirklich zu helfen. Auch wenn sie gute Absichten haben, wird das Geld meist dort angelegt, wo es nicht so sehr gebraucht wird oder gar für sinnlose Sachen verschwendet, die eigentlich niemand braucht. Was mit Geld von Regierungen gemacht wird, sieht man z.B. am Taj Mahal, diversen Fußballstadien in Ostdeutschland oder an den Pyramiden zu Gizeh.
Die Künstler beim Live 8 mögen (zumindest teils) gute Absichten haben, doch bringen tut das trotz allem nicht wirklich was.
Wir müssen uns halt darüber bewusst werden, dass wir Afrika schlicht und einfach nicht zu einem Industriekontinent machen können. Die Unterschiede sind zu groß.
Übrigens ist es auch sinnlos, keine Waren mehr aus Afrika zu kaufen. Kauft man sie nicht, haben die Plantagenbesitzer (o.ä.) noch weniger Geld und geben den Arbeitern noch weniger. Jene hingegen sind wohl recht froh, wenigstens ein bisschen zu verdienen, wenn auch eher schlecht als recht.
Nein. Ich glaube an Statistiken die ich selbst nachvollzogen habe - und an Bjørn Lomborg.
Der Lebensstandard sinkt - im Durchschnitt - nirgendwo, da muss ich dich entäuschen.
Ich bin mir recht sicher dass, um mal gleich an Ort und Stelle des Themas zu bleiben, der Lebensstandard eines Sudanesers in den letzten Jahren nicht als steigend bezeichnen werden kann. Das selbe auch mit den Menschen in Somalia.
In Berkarabach dürfte der Lebensstandard ebensowenig gestiegen sein, auch wenn er sich in den letzten paar Jahren wieder erholt, das niveau der 70er ist wohl noch nicht erreicht.
In den USA sind auch viele Städte nicht unbedingt ein Wirtschaftswunderland. Mit dem Zusammenbruch einiger Schlüsselindustrien in 80ern und 90ern hat so manche Stadt einen Satz rückwärts gemacht, der bis heute nachwirkt. 20% Arbeitslosigkeit keine Seltenheit.
Natürlich kann ich auch sagen: Krieg zählt nicht, alle Kriegsgebiete lassen wir aussen vor, ansonsten betrachten wir immer nur ganze Nationen. Dann könnte man wohl auf einen steigenden Lebensstandard kommen. Man lässt aber eben ausser acht dass Nationen keine einheitlich gleich tollen Landstriche sind und man beachtet noch viel weniger, dass Krieg besonders dort auftritt, wo der Lebensstandard eben nicht hoch ist. Anders gesagt, man mogelt
ich finde dieses Gerede und den "Spaß" am Untergang der Menschheit "Ach, wir gehen ja eh unter und ach es geht uns ja allen so schlecht" nur leicht ermüdend.
Da kann ich durchaus zustimmen. Ich frage mich allerdings inwiefern "ach, lasst uns nix tun, es geht ja überall bergauf" besser sein soll als "wir können eh nicht helfen, lasst uns besser überhaupt nix machen"
Sephiroththe23
05.07.2005, 18:30
Das habe ich so auch nicht vertreten - und wie gesagt, selbst wenn man diese Zustände bedenkt, geht es aufwärts, frag die Statistiken - die nebenbei genau gegensätzlich ebenfalls von Greenpeace und dem roten Kreuz verwendet werden um zu sagen, dass es ja überall bergab geht.
Man sollte nicht nichts tun, das sicherlich nicht, aber die Ausmaße, die die "Verhätschelung" von Kriesengebieten annimmt, ist einfach nur lachhaft, vor allem, wenn man die selektive Methodik bedenkt, DIE ist es nämlich primär, die ich anprangere.
Es gab eine schöne Karikatur zu dem Thema, in der ein armer Junge in Afrika dargestellt wurde - und eine Menge an LKW, beschriftet mit "Tsunami-Aid", die nach Süd-Ost Asien fuhren.
Habe ich bereits erwähnt wieviel Prozent der Tsunami-Hilfe veruntreut wurde oder derzeit verrottet, weil niemand etwas damit anfangen konnte?
Es geht ums gesellschaftliche Prinzip und die statistischen Zahlen, ich bin kein Menschenfeind, ich bin nur Realist und vor allem, aufgrund der selektiven Wahrnehmung der Menschen, zunehmend unzufrieden mit solchen Aktionen.
Ich sage ja nicht, dass man nicht verarmte afrikanische Länder unterstützen sollte, ich sage nur, dass es nicht so schlimm ist, wie es dargestellt wird und, dass es einfach eine schwachsinnige Idee ist, die viele Menschen von dieser Hilfe haben "Ach ja, wir wollen den armen Afrikanern halt die Chance geben wie wir zu leben" - Nein, das wird nicht funktionieren, tut mir leid.
Farmer Fran
05.07.2005, 19:59
Statistiken sind sehr gefährliche Dinge, da sie niemals die Realität darstellen und das Dargestellte dann auch noch frei in jede Richtung interpretiert werden kann. Zumindest ich habe noch nie eine eindeutige realistische Statistik zu sehen bekommen, die wirklich etwas aussagte.
Zum eigentlichen Thema muss ich sagen, dass ich noch keine klare Meinung habe.
Einerseits mag es wahr sein, dass Spenden die Entwicklung hemmen, andererseits halte ich es umso mehr für ein Unding deshalb wegzusehen und ein paar Millionen Leute sterben zu lassen, nur einer eigenen Entwicklung wegen.
Ich finde, dass man Entwicklungshilfe leisten sollte, allerdings auf eine Art und Weise, die auch wirklich die Entwicklung voran treibt, also direkte Installation von Brunnen- und Bewässerungsanlagen, bis dahin auch Versorgung mit lebenswichtigen Gütern. Natürlich kann man die afrikanischen Staaten nicht zu Industrieländern machen, aber man kann zumindest die Lebensbedingungen verbessern. In meiner Schule beispielsweise gab es einst eine Aktion, bei der Geld zur Installation von Pumpen gesammelt wurde. Ich finde, das war eine super Sache, und jede Klasse hätte problemlos eine Pumpe finanzieren können, das waren nämlich wirklich ärmlich kleine Beträge, doch kaum jemand hat etwas erübrigen wollen, angeblich kein Geld, und dann erstmal fünfzig Euro fürs Handy raushauen.
Insofern halte ich Live 8 für eine gute Sache, da sie Geld eintreiben, das man sonst nicht bekommt, auch wenn es natürlich Werbung ist.
Für mich bleibt nur die entscheidende Frage, wie das Geld eingesetzt wird, und das entzieht sich leider meinen Kenntnissen, weshalb ich noch nicht weiß, ob Live 8 eine gute oder eine schlechte Sache ist.
[...] aber solche massiven Promo-Events unterstütze ich nicht, denn die sind in meinen Augen zu kommerziell geprägt und der Spender bekommt etwas für sein Handeln geboten.
Der Spender? Es geht bei Live 8 nicht ums Spenden (siehe: live8live.com).
Sephiroththe23
06.07.2005, 14:23
Ja, in dem speziellen Fall weil sie nen direkten Protestmarsch gegen den G-8 Gipfel planten, aber entschuldige, worum, wenn nicht um Geld ging es bei Live-8 allgemein?
Sorry, ich bin was soetwas angeht zu skeptisch und vor allem, zu wirtschaftlich orientiert.
Es geht mir einerseits um das Prinzip der Entwicklungs- und Armenhilfe, das ich als überholt und unnütz empfinde, desweiteren aber auch einfach darum, dass im Westen ein völlig verzerrtes Bild erzeugt wird.
Ja, es geht Afrika schlecht, bezweifle ich nicht, ja, das tut mir leid, aber diese Welt entwickelt sich wirtschaftlich langsam zu einem Chaos.
Die USA erholen sich langsam von all den schweren Schlägen, der Dollar hat 15 Cent gewonnen, Deutschland sowie die anderen Aspiranten auf einen ständigen Beitritt werden vom Sicherheitsrat inzwischen nur noch müde belächelt - Entschuldige, es gibt, auf die Gesamtentwicklung der Welt, vor allem im Sinne einer friedlichen Zukunft, ganz einfach wichtigere Dinge.
Wir geben jetzt wieder, ohne nachzudenken, eine Milliarde Euro an Zinsen aus, die wir selbst dringend bräuchten und ich sehe es nunmal als relevanter an, uns selbst zu helfen, anstatt einem Land in Afrika.
Wenn es Deutschland so ginge wie z.B. Luxembourgh (52.000€ per capita/a) oder auch nur Dänemark (~30.000€ per capita/a), dann könnte ich ja Generösität verstehen, aber tut mir leid, wir leben nicht in einer kommunistischen Wunschvorstellung in der wir genügend Material haben, damit alles funktioniert. Das geht vielleicht in 100, 150 Jahren, wenn Fusionsreaktoren die Energiepreise gesenkt haben und Wasserstofftechnologie weit genug entwickelt ist, aber nicht jetzt.
Schauen wir jedoch jetzt erstmal, wie es weitergeht, wir dürfen diese Regierung ja noch ein Jahr ertragen - und nach den Neuwahlen 2006 bezweifle ich ebenfalls einen Kurswechsel - denn den will das Volk einfach nicht und somit wird niemals jemand, der entsprechend die Wahrheit sagt, gewählt werden, die ist nämlich noch weit härter, als bisher oft verkündet.
S²³ - Ich glaub ich wandere nach Luxembourgh aus.
Seph, Statistiken können dir vielleicht darlegen wie die Vergangenheit war, die Gegenwart, aber garantieren dir nicht die Zukunft. Ebensowenig sprechen dir die Zahlen die Realität, sie berechnen Wahrscheinlichkeiten, nicht mehr. Die Verhältnisse eines Equardorianers verschlechtern sich stetig, von Jahr zu Jahr. Ich habe mich ein wenig darüber informiert, da ich vor kurzen mit einem Mann aus diesem Land ins Gespräch kam. Das Land dort ist wirtschaftlich geführt von Großbauern, die Kleinbauern verschwinden stetig. Diese ziehen nach dem Bankrot (wenn man es so nennen kann) meist in die Stadt, hier jedoch steigt die Arbeitslosenrate ebenso unaufhaltsam. Ebenso sterben dort die alten Kulturen aus, da die Insdustiralisierung dort deren Lebensräume, etc. zerstört. Die dort verlaufden Ölpipelines zerstören bei Unfällen -welche nicht selten vorkommen- die Umwelt, verschmutzen und vergiften das Trinkwasser, etc. Die Lebensverhältnisse dort werden von Jahr zu Jahr zunehmend schlechter, da kannst du mir noch so viele Statistiken hinklatschen. Das ist Fakt.
Ach ja, zum Thema: Allgemein halte ich von solchen Veranstaltungen etwas, allerdings nur wenn wirkliche Resultate sichtbar sind.
Sanguis
Das Schöne an der Hilfe:
Unrechtsregieme werden gestützt, Staaten, die sich selbst beginnen zu helfen bekommen nichts, Staaten die nichts tun und jammern bekommen was. Riesiges Missverhältnis. Der Mensch ist faul, wenn er was in den Rachen geworfen bekommt, wird er es auch nehmen, statt zu arbeiten.
Die Zustände in gewissen Ländern verschlimmern sich teilweise - gewiss.
Aber woran liegt das? An den Schulden? Die Länder zahlen ja nichtmal, also der Schuldenberg ist es nicht. An der fehlenden Hilfe? Schaut euch mal an wieviel Geld fließt.
Nein. Die Hilfe selbst ist es. Drei Gründe.
1)Sie stützt aktiv Diktaturen und korrupte Regieme, welche die Spenden einfach veruntreuen. Durch Spenden(UNSERE HILFE!) halten sie sich an der Macht, und können so das Volk kontrollieren. Ja, so sieht es aus. Super.
2)Wirtschaftlichkeit rechnet sich nicht, da man sich dadurch Spenden verbaut. Ah, moment, Kapitalismus ist eh böse. Kurz: Lieber betteln als arbeiten.
3)Die, welche wirtschaften, werden in den Ruin getrieben. Wie? Nun, nehmen wir den lustigen Bauern. Der baut an. Und freut sich. Nur: Wie verkauft er sein Gut jetzt? Der Markt ist überschwemmt mit billigem Gen-Mais aus den USA, das zu unterbieten verschafft ihm Mehr KOSTEN(!) als er nachher Gewinn erzielen kann.
Spenden erreichen die Bedürftigen größtenteils nicht, finanzieren die, welche den Kontinent in den Abgrund treiben, zerstören die aufkeimende Wirtschaft, sorgen dafür, dass WIR pleite gehen - und damit auch Afrika.
Derzeit hängt Afrika an uns - am Tropf. Fakt. Und jetrzt denkt mal daran, was passiert, wenn unsere Systeme kollabieren. Wer zahlt dann für Afrika?
Mitleid ist toll und so, aber hier wird es deutlich übertrieben. Selbst afrikanische Experten(!) verlangen mittlerweile ein Stop der Hilfe. Nötig ist Hilfe zur Selbsthilfe, nicht Bezahlen von allem. Nur pures Geld hilft nicht - das klappte in Europa, aber nur, weil man dort etwas wieder aufbauen wollte. Das fehlt in Afrika.
wtf?! Denk nochmal darüber nach was du da eigentlich gerade von dir gegeben hast...
-Tscherno-
Im Gegenteil, denk DU drüber nach. Du plapperst blind pathetische Platitüden nach, ohne zu wissen, wovon du redest. Nur, weil es sich brutal anhört, ist es noch lange nicht falsch, im Gegenteil. Es ist ABSOLUT RICHTIG.
Afrika HAT genug Nahrung, sie wird nur falsch verteilt. Afrika krankt nicht an diesem Problem sondern an schlechten Regierungen, ineffizienten Systemen, und an dem Gutmenschentum des Westens, welche wirklich als Ziel zu haben scheinen, Afrika von sich abhängig zu machen, und jedes noch so kleine Fünkchen Eigenständigkeit zu zerstampfen.
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