Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die festnahme von ratko Mladic
Dark_knight
24.02.2006, 15:43
Ich war mir so frei und habe diesen thread eröffnet um zu Wissen wie ihr über die lage in Serbien und Mladic findet.
Dazu besser einmal einen minimalen Ansatz:
Seit fast zehn Jahren ist der bosnisch-serbische General Ratko Mladic untergetaucht, doch nun könnte seine Überstellung ans UN-Kriegsverbrechertribunal bevorstehen.
Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht, doch seit Tagen kursieren Gerüchte: Möglicherweise soll eine Festnahme und Überstellung des bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic an das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal für Ex-Jugoslawien bevorstehen. Die serbische Regierung versuche, ihn zu einem freiwilligen Gang nach Den Haag zu bewegen, berichten Medien in Serbien und Montenegro. Allerdings verhandele man noch über die genauen Bedingungen.
Mladic werden Völkermord und Kriegsverbrechen während des Krieges in Bosnien-Herzegowina vorgeworfen, der 1992 begann und erst mit dem Friedensabkommen von Dayton 1995 endete. Die UN-Chefanklägerin Carla del Ponte konnte Anfang Dezember nach langer Zeit wieder einmal triumphieren, als die Nachricht aus Spanien eintraf: Ante Gotovina ist verhaftet. Der kroatische General war einer der drei großen Namen auf der Fahndungsliste des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag.
Kriegsherr der Serben-Republik
"Gotovina ist also in Haft und wird nach Den Haag überstellt. Und ich erwarte jetzt natürlich Mladic und Karadzic und die anderen Flüchtigen", erklärte del Ponte. Der einstige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein oberster General Ratko Mladic gelten als zentrale Figuren für das UN-Kriegsverbrechertribunal - erst wenn sie von den Haager Richtern den Urteilsspruch gehört haben, wird das UN-Tribunal seine Pforten schließen.
Nachdem sich Slowenien und Kroatien bereits 1991 für unabhängig erklärt hatten und damit der Zerfall Jugoslawiens besiegelt war, sprang der Funke 1992 auf Bosnien-Herzegowina über: Im Januar riefen die bosnischen Serben die "Republika Srpska" aus, Radovan Karadzic wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Zwei Monate später beschloss das gesamtbosnische Parlament - entgegen dem Willen der Serben - den Austritt aus Jugoslawien. Daraufhin kam es zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen in Bosnien-Herzegowina. Die Serben-Republik formierte eine eigene Armee, deren Oberbefehl einem General der Jugoslawischen Volksarmee übertragen wurde: Ratko Mladic.
Hunderttausende vertrieben
Mit der Unterstützung aus Belgrad erzielten Mladics Truppen militärische Erfolge: Sie brachten rund 70 Prozent des bosnisch-herzegowinischen Territoriums unter ihre Kontrolle. Unter Mladics Kommando wurden Hunderttausende Kroaten und bosnische Muslime vertrieben - was menschenverachtend als "ethnische Säuberung" deklariert wurde. Tausende Menschen - Männer ebenso wie Frauen und Kinder - verschwanden in serbischen Gefangenenlagern, viele von ihnen wurden dort misshandelt.
Die serbische Armee belagerte drei Jahre lang die Hauptstadt Sarajevo, dabei schossen Scharfschützen wahllos auf Zivilisten. Noch kurz vor dem Friedensschluss von Dayton drang Ratko Mladic mit seinen Truppen in die UN-Schutzzone Srebrenica ein und ließ 8000 männliche Einwohner töten. Mladics Schieß-Befehl wurde damals abgehört und aufgezeichnet: "Schießt nur auf die Lebenden, nur auf die Lebenden! Sie haben keine Waffen. Sie haben nur die eine oder andere Panzerfaust. Sie haben normale Gewehre - und das ist alles."
Nur auf internationalen Druck entlassen
All diese Verbrechen werden Mladic und Karadzic von den Anklägern in Den Haag zur Last gelegt. Laut Anklageschrift von 1995 haben sie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord, Plünderungen und Verstöße gegen internationales Kriegsrecht begangen. Karadzic und Mladic drohen deshalb lebenslängliche Haftstrafen - allerdings sind beide flüchtig.
Mladic blieb noch Chef der bosnisch-serbischen Armee bis Ende 1996, als ihn die Präsidentin der Serben-Republik auf Druck der internationalen Gemeinschaft entließ. Seitdem ist er untergetaucht - doch die Gerüchteküche brodelt: Einige berichten, er habe im Frühjahr 2000 bei einem Fußball-Länderspiel in Belgrad samt Leibwächtern auf der Tribüne gesessen. Andere behaupten, er habe in der südost-serbischen Stadt Nis gewohnt. Und wieder andere wollen ihn in Russland oder Griechenland gesehen haben.
Nach meiner Einschätzung ist er ein Kriegsverbrecher und sollte nach internationalem Recht abgehandelt werden. Punkt und aus, mehr habe ich zu dieser Person nicht zu sagen.
Die Lage in Serbien ist indes komplizierter. Ich bezweifle dass diese Nationalstaaten-Lösung funktionieren kann. Das gesamte ehemalige Yugoslavien wird sich immer wieder über Territorien streiten, sich gegenseitig Verbrechen vorwerfen und Machtmenschen werden die anderen Nationalitäten schamlos als Sündenböcke ausnutzen, um von inneren Problemen ihres eigenen Landes abzulenken. Wenn man nicht ewig mit einem UN-Mandat für Sicherheit sorgen will, sollte man viel mehr auf eine Vielvölkerstaatslösung abzielen, also die Wiederrichtung Yugoslaviens mit dem Ziel eines Staates, in dem jede Bevölkerungsgruppe von einander anhängig wäre. Wenn man dazu von jedem Bürger der EU nur einen Bruchteil seines Verdienstes nimmt und damit den Wiederaufbau des Landes finanziert, dann wäre der Frieden und die Stabilität der Region "schnell" wiederhergestellt, wobei schnell in diesem Kontext natürlich eher missverständlich ist - auf jedenfall schneller als bei anderen Lösungsversuchen. Dazu eine demokratische Regierung und zumindest ein grundlegender Sozialstaat (am besten wäre natürlich ein ausgewachsener demokratisch-egalitärer Sozialismus, aber den kriegt man nicht durch ^^) und man hat eine echte Chance auf dauerhaften Frieden, da Gewalt und Hass durch ökonomische Situationen bedingt sind. Anders gesagt: wem es gut geht, der braucht keinen Sündenbock dafür, dass es nicht so ist.
Indes braucht man dazu auch Politiker aus allen Bevölkerungsgruppen, die zu diesem Projekt bereit wären und eine Wählerbasis haben, bei dem der Wegfall einer Bevölkerungsgruppe die nächste Wahlniederlage bedeuten würde - Rassismus und Diskriminierung einzelner Bevölkerungsschichten würde damit für die Regierung zu einem Tabu werden.
All das wird sehr schwierig und abgesehen von mir wird wohl kaum jemand jemals diesen Ansatz vertreten, nicht zuletzt weil es den verschiedenen Regierungen mit einem eigenen Staat mitsamt Sündenbock für die eigene Unfähigkeit einfach zu gut geht, um das für ein neues Yugoslavien abzugeben.
Dark_knight
26.02.2006, 15:02
Nach meiner Einschätzung ist er ein Kriegsverbrecher und sollte nach internationalem Recht abgehandelt werden. Punkt und aus, mehr habe ich zu dieser Person nicht zu sagen.
@Nathan: aber dank Mladic und Karadzic haben wir eine eigene Republik und egal was sie getan haben, ich bin stolz auf sie, ich weiss klingt doof ist aber so denn sie waren die einzigen die an ihr Serbisches Volk gedacht haben das in Bosnien unterdrückt wurde!!!
Mord bleibt Mord. Nationalismus ist keine Entschuldigung dafür. DU kannst ja gerne versuchen den Familien der Opfer dieses Kriegsverbrechers zu erklären, warum er nun ein Held sein soll.
Und wenn du dich über angebliche Unterdrückung der Serben in Bosnien mockierst, dann solltest du auch darauf hinweisen, dass ähnliches den nicht-serbischen Minderheiten in Serbien widerfährt. Verdammt, das trifft auf eigentlich jede Nation zu, die aus Jugoslavien hervorging.
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