Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Globalisierung [zur Umfrage]
Sparkfist
12.03.2006, 15:19
Zu: [Umfrage] zum Thema Globalisierung (http://rpga.info/forum/showthread.php?p=338042)
Die Umfrage verlief nicht ganz so gut, wie ich mir das gewünscht habe. Einmal ist auffällig, dass sich (fast) nur Leute gemeldet haben, die etwas mit dem Thema anfangen können (dass es Leute gibt, die das nicht können, dürfte klar sein). Liegt vielleicht daran, dass man gezwungen war seine virtuelle Identität preiszugeben. Hier herrscht ja häufig so eine zwanghafte Atmosphäre - Unwissenheit wird mit der Außenseiterposition gleichgesetzt und nicht selten sogar bestraft.
Wie dem auch sei, es sind 14 Antworten eingegangen, die sich auswerten lassen. Die Stichworte, die dabei zusammengekommen sind, habe ich mal zusammengetragen und der Häufigkeit nach geordnet:
Monotonie/Kulturverlust x 6
Weltweiter Handel x 4
Fair Trade x 3
globale Kommunikation x 2
Armut / Leidtragende x 2
(Zielloser) Kapitalismus x 2
USA x 2
G8 x 2
Attac x 2
Verlust von Abhängigkeiten
Schaffung von Abhängigkeiten
Europa
Japan
Geld
Chancen
Billiglohnländer
Bekämpfung von Ungerechtigkeit / Armut
weltweite Angleichung des Wohlstandsniveaus
Grund für unseren Lebensstandard
Einigkeit
Regionalisierung
Beitritte zu Ländern und oder Bindungen (zB EU beitritt)
Weltfrieden?
Islam
Standardisierung
Bevorteilung vieler Länder
Nur gut gemeint
Ich finde die Ergebnisse sehr interessant. Man kann bei manchen Leuten eine grundsätzlich negative Einstellung erkennen, bei anderen wieder eine ausgeglichene. Wenige sind sogar positiv beeindruckt.
Die Stichwörter bleiben größtenteils in einem Rahmen, der auf gute Kenntnisse und eine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema schließen lässt. Das ist doch mal eine gute Sache. Dennoch gibt es hier und da Meinungen, die wahrscheinlich vorschnell angenommen und nicht hinterfragt wurden oder undifferenziert betrachtet worden sind. So jedenfalls mein Eindruck.
Für mich persönlich ist dieses Thema nicht so einfach, da sich vor meinem inneren Auge ein riesiges Schlachtfeld mit zahllosen Parteien erstreckt, die untereinander völlig gegensätzliche Meinungen zu diesem Thema haben. Die Globalisierung als ein großes Ganzes zu sehen fällt mir schwer, da das ein Überbegriff für viele kleine und große Entwicklungen ist, die nicht immer in einem direkten Zusammenhang stehen müssen. Der technische Fortschritt zum Beispiel ist nur ein Werkzeug der Globalisierung, die Beschlüsse der Politiker aber bilden den vorantreibenden Kern der Sache. Wobei erwähnt sein sollte, dass der Bürger zwar unmittelbar von den Entwicklungen betroffen ist, aber nur selten die Kraft hat, Entscheidungen zu lenken und sogar oft überhaupt nicht über den Stand der Dinge und die Folgen der Beschlüsse bescheid weiß. Wovon ich mich nicht ausschließen möchte.
Wie aus der Umfrage hervorgegangen ist, meinen einige Leute in diesem Forum einen besseren Überblick über die Geschehnisse und Entwicklungen zu haben. Vielleicht können insbesondere diese Mal anhand der gesammelten Stichwörter die Meinung der Öffentlichkeit ihrer Wirklichkeit gegenüberstellen, so dass wir alle einen besseren Eindruck davon bekommen können. Dann können vielleicht auch diejenigen, die sich aus Unwissenheit aus der Umfrage rausgehalten haben (obwohl es nicht nötig gewesen wäre), in Zukunft mitreden oder überhaupt erst Interesse an der Diskussion gewinnen.
Besonders interessant sind mMn folgende Stichworte:
Verlust von Abhängigkeiten
Schaffung von Abhängigkeiten
weltweite Angleichung des Wohlstandsniveaus
Billiglohnländer
Monotonie/Kulturverlust x 5
Nur gut gemeint
Grund für unseren Lebensstandard
Niemand ist gezwungen sich genau zu diesen zu äußern, gilt nur als ein Vorschlag, da die Menge an Stichworten ja doch recht groß ist.
Die Diskussion ist hiermit eröffnet! :)
Edit: Extra für Numen ein Update der Stichwortliste.
weltweite Angleichung des Wohlstandsniveaus Definitiv eine positive Seite der Globalisierung. Das Problem ist nur, das man diesen Prozess auch beschleunigen könnte (und sollte!), wenn man nur wollte. So errichten viele Firmen ihre Fabriken ja lieber in Ländern mit geringeren Löhnen, zb. Polen, statt zb. in Deutschland. in Polen hat dies zur Folge das mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Deutschland wiederum verliert Arbeitsplätze, und muss praktisch seine Mindesbedingungen runterschrauben, damit die Firmen auch nach Deutschland ziehen. Gewisserweise ist das doch aber vorallem eine Angleichung nach unten hin. Auf der anderen Seite landen die richtig guten Arbeitsplätze, in Forschung und Dienstleistung, immer noch in den wohlständigen Ländern, da dort die Ausbildung besser (finanziert) ist. Ich denke mal darin begründet sich teilweise auch diese Vergrößerung des Arm-Reich Spaltes.
Kenn mich allerdings in Wirtschaftswesen auch nicht aus (hab ich abgewählt XD), von daher bitte korrigieren, falls ich Mist erzähle.
Monotonie/Kulturverlust x 5 Naja, muss man auch von zwei Seiten aus sehen. Die amerikanische Kultur zb. verbreitet sich momentan auf der ganzen Welt. Auch japanische Kultur findet überall Anklang. Natürlich auf Kosten anderer (in ihrer Attraktivität unterlegener) Kulturen, die dabei eben verloren gehen. Dabei kommt es sicherlich zu Monotonie, und im Prinzip auch zum Verlust mancher Kulturen. Auf der anderen Seite verbindet man Globalisierung auch immer mit dem Begriff "Multikulturelle Gesellschaft". Denn letztendlich prallen ja auch etliche Kulturen aufeinander, und geben ein buntes Gemisch, das ich auf keinen Fall als Monoton bezeichnen würde. Durch die Globalisierung ist anderen Ländern ja erst die Möglichkeit gegeben, ihre Kultur auszubreiten.
Nur gut gemeint XD Das find ich treffend. Letztendlich hat die Globalisierung ja sehr viele positive Aspekte, und ist irgendwie auch ein Prozess der ablaufen MUSS, um die letzten, von Imperialismus und Nationalismus geprägten, Jahrhunderte ein für allemal abzuschließen. Das jede Entwicklung auch negative Seiten mit sich zieht, die gerade jetzt in Zeiten von wirtschaftlichen krisen und Depressionen besonders hervorgehoben werden, ist ja nichts neues.
Grund für unseren Lebensstandard Ich denke gerade für Deutschland, als Exportweltmeister, trifft das auf jeden Fall zu.
Mir persönlich hat auch noch dieser Stichpunkt gut gefallen:
Weltfrieden?#
Denn die Globalisierung hat imo sehr viel zum Frieden beigetragen. Durch die starke wirtschaftliche Vernetzung der einzelnen Länder ist es heute vollkommen irrational (im materialistischen Sinne) einen Krieg anzufangen. Warum wir trotzdem keinen Frieden haben? Weil Kriege nunmal nicht immer aus materialistischen Gründen, bzw. nur aus materialistischen Gründen geführt werden. Sieht man ja immer wieder bei den Konflikten im nahen Osten, die nicht auf Machtgier, sondern auf politischen und religiösen Idealen beruhen.
Sparkfist
12.03.2006, 20:26
Letztendlich hat die Globalisierung ja sehr viele positive Aspekte, und ist irgendwie auch ein Prozess der ablaufen MUSS, um die letzten, von Imperialismus und Nationalismus geprägten, Jahrhunderte ein für allemal abzuschließen.
Die vielen positiven Aspekte, die dir da vorschweben, wüsste ich echt mal ganz gerne. Also inzwischen fallen mir persönlich eher nur Entwicklungen ein, die zumindest eine negative Nebenwirkung haben. Und allem voran steht doch eigentlich der Grund für diese Entwicklungen:
Wieso, meinst du, MUSS denn dieser Prozess ablaufen? Um die von Imperialismus und Nationalismus geprägten Jahrhunderte abzuschließen? Was den Imperialismus angeht, da kann man eigentlich mehr von einer Folge sprechen. Der Imperialismus hat der Globalisierung doch erst den Boden geebnet. Ohne die schweren Eingriffe in die fremden Kulturen und Reichtümer würde die Situation in einigen Regionen ganz anders aussehen. Unsere aber auch.
Nein, in meinen Augen ist der Grund vielmehr, dass wir einfach zukunftsorientiert handeln müssen. Es gibt nunmal kein unbegrenztes Wachstum. Wenn eine Tierart in einem Biotop an die existentiellen Grenzen stößt, dann ist das eine natürliche Schranke zur Eindämmung der Anzahl der Individuen. Die Wirtschaft bedient sich ebenso an Rohstoffen aus der Umwelt. Gerade wenn es um Nahrungsmittel geht: Der Anbau von Monokulturen kann so lange ausgeweitet werden, bis es einfach keine Fläche mehr gibt, die genutzt werden kann. Ob das Platzprobleme sind oder Desertifikation die Ursache ist, das spielt eigentlich erstmal keine Rolle. Es wird jedenfalls zwangsweise einmal der Punkt kommen müssen, an dem die stetig wachsende Bevölkerung nicht mehr weiterwachsen kann. Wobei Wasserknappheit sicher eine große Rolle spielt.
Ich denke jedenfalls, dass die Öffnung der Weltmärkte vor allem dem Kapitalismus und all seinen schlechten Eigenschaften (Rücksichtslosigkeit gegenüber Natur und Menschen, maximaler Profit auf Kosten von Anderen) zu Gute kommen wird. Global Players erweitern ihre Einflussbereiche und der politische Prozess wird zu einem Selbstläufer bzw. einer Geisel der Unternehmer.
Was mich an der Sache Zweifeln lässt, ist vor allem die Tatsache, dass die Industriestaaten von der Ausbeutung der Entwicklungsländer profitieren. Mit dem Ziel der Gleichsetzung würde man doch gleichzeitig eigene Einbußen in Kauf nehmen. Doch darum scheint es dabei überhaupt nicht zu gehen. Im Gegenteil, man erwartet neuen Schwung für die eigene Wirtschaft. Wie kann sowas funktionieren?
Wer eine Ahnung von der Sache hat, der weiß es schon: bei mir sind viele Fragen offen, die eine Grundlage zur Klärung brauchen, die im Moment nicht gegeben ist.
Die amerikanische Kultur zb. verbreitet sich momentan auf der ganzen Welt. Auch japanische Kultur findet überall Anklang. Natürlich auf Kosten anderer (in ihrer Attraktivität unterlegener) Kulturen, die dabei eben verloren gehen. Dabei kommt es sicherlich zu Monotonie, und im Prinzip auch zum Verlust mancher Kulturen. Auf der anderen Seite verbindet man Globalisierung auch immer mit dem Begriff "Multikulturelle Gesellschaft". Denn letztendlich prallen ja auch etliche Kulturen aufeinander, und geben ein buntes Gemisch, das ich auf keinen Fall als Monoton bezeichnen würde. Durch die Globalisierung ist anderen Ländern ja erst die Möglichkeit gegeben, ihre Kultur auszubreiten.
Ich nehme an, dass du das Wort "Kultur" mit einer ganz anderen Bedeutung verbindest, als ich jetzt zum Beispiel. Sieh dir doch mal deinen Alltag und deine Umwelt an. Das ist das Leben der westlichen Welt. Wenn wir zu McDonalds gehen, dann ist das nichts Besonderes. Ich war mal in Japan. Ich hatte keine Probleme, mich dort um etwas zu Essen zu kümmern. Ein McDonalds war stets in der Nähe. McDonalds als Symbol der Vereinheitlichung.
Es gibt Länder, in denen wird man kein McDonalds finden. Die funktionieren auch ohne diese FastFood-Kette. Aber wenn man so darüber nachdenkt, dann kommt einem der Eindruck, dass diese Länder vielleicht einfach zurückgeblieben sind. Dabei sind sie einfach für sich, in ihrer Funktionsweise, unberührt durch die amerikanische Kultur, die wir inzwischen wie selbstverständlich jeden Tag aufs neue über die Reste unserer eigenen streichen. Was sind das nur für Leute wie Bastian Sick, die sich darüber aufregen, wenn jemand behauptet, dass etwas "Sinn macht"? Oder jene, die sich über die neue Gestalt der Medien aufregen und vor Kinofilmen der Marke Hollywood die Nase rümpfen? Der Spruch "der neue Trend aus den USA endlich auch in Deutschland" ist schon nicht mehr aktuell, inzwischen laufen solche Trends weitgehend unangekündigt ein. Dabei handelt es sich sicherlich auch um ein Gemisch verschiedener Kulturen, aber das liegt eben auch daran, dass man nicht von heute auf morgen seine Gewohnheiten und Traditionen ablegen kann/möchte.
Letztendlich wachsen wir aber alle mehr und mehr zusammen und legen unsere alten Sitten und Bräuche ab. Bei uns ist dieser Prozess schon lange beendet, möchte ich behaupten.
In Ländern mit funktionierenden Systemen kann das doch schlimme Folgen haben, wenn die nächste Generation auf einmal entgegengesetzt der eigenen Wurzeln denkt.
Wahrscheinlich werde auch ich jetzt mit Peitschenhieben von der "Elite" davongejagt, aber wollen wir doch erstmal sehen, wie sich die Sache hier weiterentwickelt. *g*
Der technische Fortschritt zum Beispiel ist nur ein Werkzeug der Globalisierung, die Beschlüsse der Politiker aber bilden den vorantreibenden Kern der Sache.Das ist eine umstrittene Theorie und kann so nicht stehengelassen werden. Es exisitiert auch die Theorie, dass es genau andersherum läuft. Ich denke, die Ursachen der Globalisierung zu erläutern ist sehr kompliziert und erweitert das Thema immens.
Zu der Frage, ob die Globalisierung ablaufen MUSS, fällt mir nur eine Gegenfrage ein: Wer sollte sie aufhalten können?
Verlust von Abhängigkeiten
Schaffung von AbhängigkeitenIch tendiere eher zu Schaffung von Abhängigkeiten. Fast kein Staat der Erde ist mehr Selbstversorger. Vor allem nicht die Industrienationen. Dass dieser Prozess aber von der Politik ungewollt ist, zeigt sich zB darin, dass im Ruhrgebiet immernoch Kohle aubgebaut wird.
Monotonie/Kulturverlust x 5 Definitiv verbreitet sich die westliche Kultur radikal.
Auf der anderen Seite verbindet man Globalisierung auch immer mit dem Begriff "Multikulturelle Gesellschaft". Denn letztendlich prallen ja auch etliche Kulturen aufeinander, und geben ein buntes Gemisch, das ich auf keinen Fall als Monoton bezeichnen würde.Leider passiert eben das nicht. Moderne westliche Kulturen sind meistens eher "Tossed Salad" (Gemischter Salat) als "Meltingpot" (Schmelztiegel).
Letztendlich wachsen wir aber alle mehr und mehr zusammen und legen unsere alten Sitten und Bräuche ab. Bei uns ist dieser Prozess schon lange beendet, möchte ich behaupten.Bei uns ist/war der Schritt minimal. US-Amerikaner sind letztlich nur Europäer, die 200 Jahre rumtoben durften. Natürlich haben sie in vielen Punkten unterschiedliche Ansichten, aber wir sind uns schon sehr ähnlich.
Anders sieht das im Nahen und Fernen Osten aus. Das sind völlig andere Kulturen, die eigentlich so gut wie nichts mit der unseren verbindet. Es ist übrigens für Asiaten nicht sehr gesund unser ballaststoffreiches Fast-Food zu essen.
Was mich an der Sache Zweifeln lässt, ist vor allem die Tatsache, dass die Industriestaaten von der Ausbeutung der Entwicklungsländer profitieren. Mit dem Ziel der Gleichsetzung würde man doch gleichzeitig eigene Einbußen in Kauf nehmen. Doch darum scheint es dabei überhaupt nicht zu gehen. Im Gegenteil, man erwartet neuen Schwung für die eigene Wirtschaft. Wie kann sowas funktionieren?Da verstehe ich nicht ganz, was du meinst. :)
Welche Industriestaaten verfolgen denn die Gleichsetzung mit der Dritten Welt und wie tun sie das?
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass Globalisierungsgegner zu spät kommen. Ihre Zeit ist längst abgelaufen, die Globalisierung ist ohnehin rückläufig. Viele Staaten kämpfen inzwischen um Abkapselung, in vielen Nationen der Dritten Welt ist dies die einzige Möglichkeit - das versucht die Wirtschaft natürlich zu verhindern.
Inzwischen muss man mehr von Regionalisierung sprechen. Wem der Begriff nichts sagt: Regionen verschmelzen aufgrund von Gemeinsamkeiten über Landesgrenzen hinweg zu wirtschaftlichen Räumen mit besonderen "Fähigkeiten", die im weltweiten Markt eingebracht werden. Ein Beispiel: Die Rhein-Maas-Region erstreckt sich über Deutschland und die Niederlande. Dort entsteht eine spezialisierte Technologieregion.
/edit: Ich will auch in die Statistik, Sparkfist (http://rpga.info/forum/member.php?u=8133)! :D
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