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Snowsorrow
14.03.2006, 17:33
Ist wirklich alles so, wie es scheint?


Hintergrund
An einem Abend, zwei Jahre nach dem Erschaffen der Welt, treffen drei Gestalten auf einem idyllischen Fleckchen in Nida zusammen, bekannt und gut befreundet.
Eine vom Meer hinaufwandernd, eine aus dem Blumenmeer hinaufsteigend und eine aus der Graslandschaft hinaufgehend erreichen sie schließlich die Spitze der Anhöhe, bleiben an einem großen Birnenbaum stehen und verharren kurzweilig, bevor weiteres passiert.

Teilnehmer
Farmer Fran als Salvatore K. und Vermuth S.
Snowsorrow als Karos G.

Szenerie
Auf einem hohen, blühendem Hügel nahe des Meeres, mitten in einem gigantischem Terrain aus duftenden Pflanzen und allerlei exotischer Vegetation, an einem Ort, an dem nicht all zu weit entfernt heutzutage die Stadt Cor steht, nimmt das Geschehen seinen Lauf.
Es ist ein sonniger Tag gewesen, eine angenehme Abendshitze liegt in der Luft, ein kühlender Wind weht frische Brisen vom Meer hinauf und die Sonnen versinken im buntesten Farbenspiel langsam im Meer.

Farmer Fran
14.03.2006, 18:21
Salvatore

Schritt um Schritt ist er gekommen aus dem Blütental, ein junger Mann, er wirkt kaum wie sechzehn, einerseits, doch sein Haar ist schon ergraut, hängt lang seinen Rücken hinunter wie auch sein Umhang. Wie aus einem einzelnen Stück scheint seine gesamte Kleidung, eine kapuzenlose Kutte in hell strahlendem Weiß, ein silbriger Streifen von Stoff zieht sich über sein Genick nach vorn und bis auf den Boden hinab, viel zu groß wirken die Ärmel, er kommt ohne Schuhe und schreitet langsam die Anhöhe hinauf, bis er sie schließlich problemlos erklommen hat. Nicht grundlos kam er; sein Gesicht, das wie auch der Rest seiner Haut gut gebräunt ist und so im Kontrast zur Kleidung steht, wirkt ernst versteinert.

Vermuth

Mit scheinbar ungleichmäßigen Schritten trampelt schwer eine düstere Gestalt aus dem Meer hinauf auf den Berg vor ihm, trägt schwere Eisenstiefel und schwere Eisenhandschuhe, ausschweifende Schulterplatten, übergroß jeweils und wohl von Stahl und Titan, doch ist sonst keine Rüstung zu erblicken. Der kräftige Jungspund, dessen nachtschwarzes Haar auf seinen Schulter liegt und gegensätzlich zur bleichen Haut steht, geht immer weiter auf den Birnenbaum zu, das Haar wippt im Takt seiner schweren und nachhallenden Schritte, verdeckt das Gesicht weitestgehend, nur Mund und Nase sind zu sehen. Auch er ist nicht grundlos erschienen.

Snowsorrow
14.03.2006, 18:44
Mit den Händen in den Taschen seiner ausschlagenden Hose marschiert Karos mit dem Blick strikt nach vorne gerichtet in Richtung der Anhöhe, in Richtung Sonnenuntergang und den wärmer werdenden Birnenfarbe, die langsam hinter dem Hügelstrich erscheint.
Ein langes weißes Hemd, die Ärmel weit über die Handgelenke reichend, ebenfalls seine aufgeplusterte bleiche Hose blenden beinahe als krassen Gegensatz zu der beruhigenden Umgebungsfarbe, während er neben den beiden anderen Gestalten ankommt.
Wirr hängen ihm die langen, blonden Haare in die Augen, in vielen einzelnen Haarsträhnen, verdecken in vereinzelten Abschnitten sein Gesicht, bis seinen Kopf zur Seite schwingt, ohne groß die Sicht zu verbessern.
Grinsend lehnt er sich an den Stamm des Birnbaumes, ohne Anzeichen zu machen, seine Hände zum Gruß aus den Stofffalten zu ziehen.
Stumm lässt er seine Freunde stumm stehen, während er grinsend gen Sonnenuntergang blickt.
Zufällig, scheint es, treffen sich hier die drei Gestalten, doch keine kam ohne Grund.

Farmer Fran
14.03.2006, 18:53
Für einen Moment bleiben Vermuth und Salvatore dort stehen, wo sie ankamen, nicht weit entfernt vom Birnenbaum, nur wenige Meter, und niemand scheint zu wissen, wie dieses Gespräch zu beginnen sei, doch jeder wird wohl schon seine Idee danach haben, wie es auszugehen hat.
Salvatore atmet einmal tief durch, lässt sich dann langsam in einen Schneidersitz sinken und die Hände auf den Knien ruhen, verharrt so.
Vermuth bleibt für den Moment einfach nur stehen, sieht einige Zeit zu Salvatore, der sich gesetzt hat, sieht dann wieder auf; ohne, dass man sagen könnte, wohin er überhaupt blickt.
Immer noch nichts als das Wehen des Winders ...

Snowsorrow
14.03.2006, 19:02
Weiter blickt der junge Mann in die Ferne, beobachtet die Muster der Wellen und die Spiegelungen der Abendsonne auf dem Wasser, einem Mandalla gleich, während eine junge Naturkraft dieses lenkt und immer neue Strukturen entwickelt.
Der Wind weht kurz stärker auf, das Blütenmeer beugt sich sanft unter den streichelnden Wiegen der Brise, einige Blütenblätter wehen auf und tänzeln vor dem Birnbaum auf und ab, schimmern im zarten Rosa und verbreiten einen dezenten Geruch von Frühling in der Luft.
Weiter blickt Karos grinsend in die weite Welt hinaus, während er das eine Bein ausgestreckt, das andere angewinkelt an den Baumstamm gelegt hat, die Hände immernoch unverändert in den Taschen.
Noch immer scheint als, als wären die drei sich zufällig begegnet, doch immernoch wissen alle drei, was zu tun ist und was der Grund ihrer Begegnung ist.

Farmer Fran
14.03.2006, 19:21
"Nun denn", bricht Salvatore schließlich das Schweigen, nachdem er realisiert hat, dass keiner der anderen beiden hier wohl noch ein Gespräch beginnen wird. Vor zwei Jahren, als die Welt sich aus den Schatten der ewigen Nacht erhob, war noch alles anders gewesen. Die ersten Kreaturen lebten in Frieden in den Ländern von Nida, Dunwa, Aggares und Pendra, überrascht von ihrer Existenz, nutzten diese nur dafür, sie schön zu gestalten, und die hohen Wesen begannen sich um das Land und seine Bewohner zu kümmern. Es ist nicht so, dass sie den Auftrag dazu bekommen hätten, auf irgendeine Art und Weise, doch ihre höhere Begabung ließ sie darauf schließen, dass sie den wahren Göttern näher standen als irgendjemand sonst und hier als Vermittler dienen sollten. Sie waren genauso aus dem Nichts erstanden wie alles andere auch und göttliche Boten, selbst beinahe Götter. Zumindest gingen sie davon aus.
Doch wie man sich irren kann ...
"Es ist wohl unumgänglich, etwas zu ändern", bringt Salvatore schließlich heraus.

Snowsorrow
14.03.2006, 19:26
Weiter blickt der junge Dunwa in die Ferne, seine Pose bestetig lässig an den Baum posiert, bis er schließlich seinen grinsenden Blick abwendet und dem sprechenden Dunwa zuwendet, ohne auch nur den Anschein zu machen, seine Hände der Höflichkeit halber aus den Taschen zu ziehen.

"Das mache ich bereits, Salvatore."

Grinsend blickt Karos zwischen seinen verwuschelten Haaren in den Augen Salvatore herrausfordernd an.

Farmer Fran
14.03.2006, 19:47
Salvatore atmet tief ein, wieder aus, versucht sich ruhig zu halten, sieht in Karos Richtung, ohne etwas zu sagen, ihm fehlen die Worte für den Moment.
Vermuths rechte Hand zieht er zusammen zu einer Faust, nur kurz, die Knöchel knacken, emotionslos und starr schaut er weiter geradeaus, man möchte meinen, er sähe nichts unter dem festen Schleier von Haaren. Die Hand entspannt sich wieder, ohne Ausdruck bleibt er stehen und starrt und horcht.
"Karos", sagt Salvatore, beinahe schon mahnend. "Du änderst, doch anders als es sein sollte. Seit zwei Jahren nun sehen wir uns als Götter an, sammeln Gläubige um uns und versuchen, die Welt so zum Licht zu führen. Wir sind bei weitem nicht die einzigen, überall auf dieser Welt tummeln sich sogenannte Götter wie wir. Und was bringen wir dieser Welt? Unsere Folgsamen verfeinden sich untereinander, streiten, wer von uns mächtiger sei. Irrsinn. Wir haben sie nach unseren Wegen erzogen, die gegensätzlich sind, und so beginnt die Schlacht. Du führst dies nur weiter, willst mehr Macht. Doch das kann nicht der Weg sein - wir dürfen unsere Macht nicht missbrauchen, wir müssen sie Einsetzen für den Frieden und das Glück. Und offenbar geht das nur, wenn wir uns heraushalten. Niemand aus unseren Reihen darf mehr als Gott auftreten. Es darf keine Götter geben, Karos. Wir sind nicht mal welche, das weiß jeder von uns - wir wissen nichts von vor der langen Nacht. Das tun nur die Götter. Wir sind Kreaturen, und unsere Macht bedeutet Verantwortung. Die Verantwortung sie nicht zu gebrauchen ... alles andere funktioniert nicht."
Er atmet wieder tief ein, tief aus.
Vermuth, sogenannter Kriegsgott, nickt stumm. Er will kein Kriegsgott sein, nur Herr des Kampfes. Grundverschiedene Dinge.

Snowsorrow
15.03.2006, 14:28
Einige Zeit lang verharrt Karos reglos am Baum gelehnt, grinsend in die Ferne schauend, bis er sich gemächlich abstößt und mit schief gelegtem Kopf auf die anderen Gestalten auf diesem Hügel zugeht.
Hämisch blitzt sein Auge zwischen den wüst herunterhängenden Haarsträhnen Salvatore und Vermuth an, langsam setzt er einen Fuß vor den anderen, während im gleichmäßigen Rhtyhmus sein Kopf von der einen zur anderen Seite wippt, bis er vor Salvatore zum stehen kommt und immernoch böse lächelnd zu ihm hinunterschaut.

"Ich ändere, wie es in meiner Macht steht, Salvatore."

Seine Augen huschen in den Augenhöhlen zu Vermuth, ohne dass sich Karos' Haltung sichtbar ändert.

"Ich ändere, wie ich kann, Vermuth."

Er richtet seinen Kopf, hält ihn leicht schräg und nach hinten, blickt zu beiden hinab.
Dunkelrot sinken die Sonnen am Horizont in gerader Linie zu ihm in Richtung Meer, hüllen den Dunwa aus der Sicht der beiden anderen Gestalten auf dem Hügel in einen flammenden Schleier und verdeckt blendend sein ohnehin von den Haaren unerkennbares Gesicht.

"Ich ändere nach meinen Regeln."

Farmer Fran
19.03.2006, 01:25
Vermuth verharrt weiter stumm an Ort und Stelle, bewegt sich in keinster Weise und starrt hinter seinen Haaren auf die Szenerie, scheint zu lauschen und zu sehen, weiß nichts zu sagen, doch weiß was zu meinen.
Langsam erhebt sich Salvatore vom Boden ohne die Hände zu benutzen, verschränkt die Arme vor dem Körper und sieht Karos eine Zeit lang stumm an. Ein Wind kommt vom Meer her auf, weht Karos Haar in Salvatores Richtung, dessen nach hinten in die Ferne wie auch seine Kleidung.
Vermuths Kopf bewegt sich langsam nach links, langsam nach rechts, emotionslos bleibt sein Mund ein Strich. Langsam trampelt er auf Salvatore zu, anders ist es ihm im schweren Schuhwerk kaum möglich, bleibt neben ihm stehen und blickt zu Karos; Vermuth sprach kein Wort, verzog keine Miene, doch er hatte Stellung bezogen.
Salvatore blickt immer noch stumm, atmet wieder laut ein und aus.
"Karos; es ist nicht so, dass du der Erste wärest, der von unserem Plan erfahren hätte. Zwar bist du ein guter Freund, doch du entfernst dich immer weiter ... wir haben bereits Verbündete gefunden, die sich sicher sind, dass die Halbgötter sich aus den Angelegenheiten der niederen Kreaturen herauszuhalten haben. Luna überlegt es sich noch, aber er scheint zuzustimmen, die Irrlichter unter Eon haben ebenfalls eingewilligt sich herauszuhalten, so auch ... ich will sie nicht alle aufzählen, doch es sind viele. Karos, kehr um. Diese Kreaturen sind kein Spielzeug. Leg deine Scheingöttlickeit ab und zieh dich zurück - nur so kann es Glück geben. Kehr um."
Vermuth nickte langsam.
"Wir können uns nicht anmaßen Götter zu sein, wir sind Kreaturen. Kein Wesen darf über ein anderes herrschen; wir haben gesehen, was sonst geschieht. Nichts als Unglück verbreitet sich über die Welt; über jeden."
Wie zur Bekräftigung hebt er seine Faust vor sein Gesicht, zieht mit den Zähnen eine Lasche der Stahlhandschuhe locker und streift den Handschuh ab, schwer stürzt das Metall auf den Boden, mit der linken Hand öffnet er den rechten Handschuh, lässt ihn abrutschen, er donnert in den Grund. Er hebt das linke Bein aus dem Titanstiefel, dann das rechte, tritt barfuß auf den Boden auf und steht dort nur noch in seiner dunklen Kleidung. Viel zu fahl scheinen Hände und Füße, viel zu dünn und gebrechlich.
"Hiermit lege ich meine Göttlichkeit des Krieges ab. Hiermit lege ich meinen Namen Vermuth ab; für immer."
Salvatore nickt, zieht ein Messer aus einer Falte seines Umhangs, hält sein Haar in einem Bund zusammen mit der linken, schneidet es ab, lässt das Messer fallen. Wie Gras wirbeln die Haare auf und wehen fort, fallen teilweise zu Boden und werden teils vom Wind weitergetragen über die Wiesen und Felder wie Boten, die vom Ereignis künden und es in alle Welt verbreiten.
"Hiermit lege ich meine Göttlichkeit des Friedens ab. Hiermit lege ich meinen Namen Salvatore ab; auf ewig."
Sie sehen Karos kurz stumm entgegen.
"Die, die dem Kriegsgott folgten, forderten nur Opfer unter sich und anderen", sagt Salvatore. "Sie wollten sich das Glück erkämpfen, doch nicht als Hunger und Elend sollten ihr Lohn sein, vom Hass getrieben ... und die, die mir, dem Friedensgott folgten? Sie taten das gleiche. Kampf für Frieden. Unfug. Es muss enden, verstehst du?"
Sie nicken Karos zu.
Sein Zug.

Snowsorrow
21.03.2006, 18:11
"Ich...", beginnt Karos nach einer langen Atempause, "... der Gott des Schicksals..."

Unmerklich leicht wippt der junge Mann sanft im Gegenwind vor und zurück, seine Haare flattern bedrohlich im sonst so ruhigen Wind nach hinten und geben sein Gesicht frei.

"... verstehe..."

Er zieht eine Hand aus der Hosentasche, hebt die rechte Hand, bedeckt vom viel zu langen Ärmel, die Fingerkuppen aneinandergelegt und den Handrücken straff nach oben gerichtet, dreht plötzlich diese rasch aus dem Handgelenk, zeigt nun mit den Fingern nach oben, vom Stoff entblösst, während er eine gezückte Spielkarte in der Hand hält.

"... und lasse nicht bleiben."

Reglos beginnt er mit den Fingern die Karte zu drehen, abwechselnd den Kartenrücken und ein stets änderndes Motiv.

Farmer Fran
21.03.2006, 18:44
Untätig starrt Vermuth, scheint nicht ganz zu verstehen, auch Salvatore schweigt einige Zeit, seufzt dann und lässt den Kopf kurz sinken, erhebt ihn langsam wieder und sieht seinem Gegenüber entgegen. Seinem Freund ...
"Karos", beginnt er langsam, wartet einen Moment, wie um nach Worten zu suchen. "Überlassen wir die Kreaturen dieser Welt ihrer Selbstbestimmung; halten wir uns da raus. Wir haben ein eigenes Leben."
Langsam scheint es Vermuth zu dämmern ... schon will er wieder die Faust ballen, lässt jedoch mitten in der Bewegung davon ab.
Sich nicht mehr einmischen ...
Wie weit geht das?

Snowsorrow
21.03.2006, 19:19
"Weshalb?", mein Karos nur kühl, hält kurz mit seinem Fingerspiel inne, wirft kurz die Hand um, der Ärmel verdeckt sofort den Handballen, die rechte Hand gleitet zurück in die Hosentasche.

"Es ist ein Spiel. Mehr nicht. Uns wurde die Kraft gegeben, die Regeln nach unserem Belieben zu verändern..."

Karos hebt verächtlich die Mundwinkel.

"... und ich werde meine kraft nutzen, ganz nach Lust und Laune, Salvatore."

Karos lacht kurz auf.

"Du siehst die Lebewesen zu hoch an. Sie sind gerade mal ehrenhaft genug, um unser einer zu unterhalten, wie wir es wollen.
Mehr nicht."

Farmer Fran
21.03.2006, 21:27
Salvatore schließt die Augen für einen Moment, wie um sich zu sammeln, schlägt langsam wieder die Lieder auf und blickt Karos entgegen. Er ist nicht mehr das, was er einmal war.
"Wir sind keine Götter", wiederholt Salvatore. "Wir sind Kreaturen, befähigte, doch Lebewesen wie alle anderen auch. Wären wir göttlich, wäre unsere Erinnerung weiter als zwei Jahre. Wären wir zu Macht berufen, hätte uns eine höhere Macht eingesetzt; ich weiß nicht, ob es sie gibt. Doch eins weiß ich, solange wir hier sind, können wir die Welt gestalten. Und viele haben sich dazu entschieden, sie so zu gestalten, wie es für alle am besten ist - als reine Beobachter werden wir nicht eingreifen, nicht direkt, und den anderen Wesen nicht mehr Herrscher sein. Das ist unsere Entscheidung. Und wir werden dich von deinen perversen Spielchen abhalten."
Starr verharrt er. "Ich will nicht herrschen. Ich will erkunden. Ich will nicht führen, sondern geleiten, die Wesen verstehen, ich will ihnen mit kleinen Winks des Schicksals helfen, doch niemals will ich wieder über ihnen stehen und Macht ausüben, stattdessen sie beobachten und bewahren. Meine Neugier und mein Interesse sind groß an dieser Welt, zu groß, als dass ich nur über sie herrschen könnte ... ich will ein Teil von ihr werden, Karos."
Vermuth, bisher stumm verharrend, nickt langsam.
"Kein Krieg mehr, keine Schlacht, kein Blut soll fließen. Einzig will ich erreichen meine Ruhe und die Ruhe für alle Wesen dieser Welt, in Einklang sollen sie leben und ich inmitten dieses Einklangs. Nur meinen Frieden will ich, zu lange war ich auf dem Feldern der Totgeweihten, zu viele Soldaten sah ich fallen durch meine und Feindeshand. Und ich werde alles tun, um mein Ziel zu erreichen."
Kurz ist er ruhig, wohl überrascht von seinen eigenen Worten.
"Karos - ich werde dich bekämpfen, denn du bekämpfst die gesegnete Ruhe. Doch ich werde keine Schlacht führen, wie du es glaubst. Diese Kreaturen, die du dein Spielzeug nennst, werden dein Verhängnis sein. Ich werde ihnen beistehen, wenn sie mit ihrer Gegenwehr beginnen. Karos, ich bin nicht mehr dein Freund, du bist anders, ich kenne dich nicht mehr, und auch du wirst mich nicht mehr kennen. Ich bin nicht mehr Vermuth, der Schlächter. Ich bin keine Gestalt mehr, nur noch ein Schatten. Ich bin Der Fremde."
Salvatore nickt leicht lächelnd.
"So, wie ich auch meine Macht ablege und nur noch Forscher bin, der die Welten erkunden und zu verstehen suchen wird. Kein Herrscher mehr, ein Wanderer, der seine Umgebung durchstreift, ein aufmerksamer Geist unter vielen. Kein großer Mann zu sein werde ich mir anmaßen, nur ein kleines Kind bin ich unter vielen. Ich bin Der Kuriose."
Stumm blicken sie ihm ein letztes Mal entgegen. Der Fremde dreht sich um, geht langsam, Der Kuriose sieht kurz zu ihm, dann noch einmal zu Karos.
"Noch kannst du dich von deinem Schicksal abwenden ... Spieler ..."
Er schließt die Augen, folgt dem Fremden leisen Schrittes.

Snowsorrow
22.03.2006, 13:21
Der Fremde zieht von dannen, der Kuriose zieht mit, der Wind bläst stark und doch sanft über das Hügelterrain in Meernähe, gestorbene Melodien nun kurzer, doch vergangener Zeiten blasen mit, die Blumen in der abendlichen Rotsonne beugen sich zartgeschmeidig unter dem Druck der Brisen, das Geäst des Birnbaumes beugt mit.
Stumm starrt Karos in die Weite des Meeres, hinter der die Abendsonne versinkt, blickt ausdruckslos gerade aus, starr den Blick nach vorne gerichtet, während der Rückenwind sein langes Haar nach vorne wirbeln lässt, während die langen Fransen sein Gesicht umspielen und auch die weit geschnittene, weiße Kleidung flatternd nach vorne bläht.
Einige Zeit steht Karos schließlich auf dem Birnbaumbaumhügel, während seine einstigen Freunde längst hinter der zarten Linie des Abhanges verschwunden sind und nur er allein an diesem bedeutenden Abend der Zeuge des vorherbestimmten Treffens ist.
Die Hände in den Taschen, das Kinn gehoben, die Statur anmutig, ein Bein hinter das andere gestellt, das Gemüt trotz aufgewirbelter Tobsucht um ihn herum gefasst und kühl.
Denn er ist der Spieler.
Er ist das Schicksal.
Er ist die Bestimmung.
Er ist der Fall des Würfels.
Niemand würde Fortuna korrigieren, niemand könnte sie leiten, nur er - und Karos ist ohne jegliche Puppenspielerfäden im Leib, denn er selbst steuert die Marionette nach seinem Wunsch.
Und kein Leben, kein Halbgott, kein Freund, kein Fremder und kein Kurioser würde das ändern - der Spieler setzt die Karten nach seinen Regeln.
Niemand würde ihm in die Hand gucken, niemand würde in ihm eine Vorraussage treffen können, von einem kontrolliertem Spiel gegen ihn ganz zu schweigen.
Während in unendlicher Gemächlichkeit die Sonne am Horizontenende ihrem Phönixtod entgegen sickert und in schier unmessbarer Zeit der riesige Feuerball hinter der Welt verschwindet, steht die verlassene Gestalt auf dem Plateau still und einem Auftreten, als würde sie selbst ein Teil der Umgebung sein, bis die Sonne schließlich am Knotenpunkt verschwindet und nur noch ein feuerroter Farbverlauf den Meereshimmel ziert.
Karos dreht sich um und beginnt in entgegengesetzter Richtung den Abstieg.

NPCs
22.03.2006, 16:28
Lange Zeit sollten sie alle im Verborgenen bleiben, hinter den Kulissen der Welt eine geheime Schlacht schlagen. Marionettenfäden sollten im Wind wehen, zerschnitten und wieder ersetzt werden, die Spielfiguren erhoben sich und brachen zusammen, im ewigen Kreislauf wurde befreit und geknechtet, ohne dass jemals jemand die wahren Hintergründe kannte. Ganz weltlich blieb das, was geschah, und erklärbar, doch hinter den Scheinwerfern, die ihr glänzendes Licht auf kämpfende Akteure warfen und die Zuschauer vom Geschehen hinter der Bühne abblendeten, folgten die drei ihren Träumen und Zielen, flüsterten den Wesen zu.
Niemand weiß, ob es jemals enden wird.