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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Open Source Software - lobenswert oder marktzerstörerisch?


Currywurst
21.03.2006, 20:27
Moin,
gestern habe ich im Heise.de Newsticker eine Meldung gefunden, dass ein weiteres Programm, welches vormals unter einer kommerziellen Lizenz im Handel zu kaufen war, nun als Open Source Software (im Folgenden OSS) erschienen ist. Es handelt sich hierbei um das Vektorillustrationsprogramm Xara Xtreme (für alle Interessierten gibts den Artikel hier (http://www.heise.de/newsticker/meldung/71027)).
In der darauffolgenden Diskussion im heise Forum (http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10082288&forum_id=95009) (die zwar unter anderem von einigen absoluten Trotteln geführt wurde) über Sinn und Unsinn, Nutzen und negativem Einfluss von OSS wurde ich angeregt, das Thema hier mal zur Diskussion freizustellen.

Was haltet ihr von dem Gedanken der OSS? Erachtet ihr es als gut, dass Software vollkommen gratis und mitsamt Quellcode veröffentlicht wird? Gibt es in euren Augen Nachteile? Wo liegen sie? Erachtet ihr so ein Konzept gar als zerstörend für den Software Markt?
Ferner noch: Was haltet ihr in diesem Sinne von OSS Projekten wie Gnu/Linux, Apache, MySQL, etc? Sind sie wirklich in der Lage, ehrlichen schwer arbeitenden Programmieren das Geld für ihr täglich Brot aus der Tasche zu ziehen, wie es im Heise Forum behauptet wird?

Keine Ahnung, ob sich hier jemand dafür interessiert, ich finde den Ansatz jedoch durchaus diskussionswürdig. Wenn's noch jemanden interessiert, schreibt doch mal eure Meinung dazu auf, ich werde meine später reinschreiben, damit dieser Post hier nicht zu lang wird und das niemand mehr lesen mag ;)

Also dann, schwingt die Tasten!

Scar
21.03.2006, 21:01
ähm...jeder sollte das Recht haben, seine Software für soviel/wenig/garkein Geld herauszugeben wie er es halt gerne möchte.

Nebenbei bin ich denke ich nicht der einzige, der die Beobachtung machte, dass open-source software oftmals den kommerziellen Kram überbietet.

Open Source ist etwas tolles.

Numen
21.03.2006, 23:11
Prinzipiell ist Open Source was tolles, ja. Jeder kann - die entsprechenden Fähigkeiten vorrausgesetzt - die Software an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen. Dies sieht man in den vielen verschiedenen Linux-Distributionen, die für jeden Geschmack etwas anbieten. Die genannten Linux, Apache, MySQL sind alles tolle Sachen. Xara übrigens auch.

Ich denke nicht, dass Programmierer arbeitslos werden (die Nachfrage nach Programmierern ist übrigens gestiegen), da vor allem sicherheitsrelevante Anwendungen fast immer direkt für den Kunden geschrieben werden. Hier wird nicht auf Open Source gesetzt, um Fehler besser kontrollieren und möglichst nach Außen geheim halten zu können.
Außerdem entsteht um Open Source eine eigene Wirtschaft, die die Software bei Firmen installiert. Diese sind auf Open Source spezialisiert und können sie effizient an den Endkunden bringen. So gibt es auch Partner für Typo3, einem sehr bekannten Open Source CMS, der sogar einen Stand auf der CeBit hatte.

ps: Auf Heise sind doch nur Bekloppte unterwegs.

Zwiebelmeister
22.03.2006, 12:52
Ob Open Source oder nicht Open Source, das spielt doch eigentlich keine grosse Rolle. Für Privatanwender mit beschränktem Budget, sicherlich, der benutzt sicher lieber Gratis-Software, auch wenn er für (mehr oder weniger) viel Geld eine bessere Lösung haben könnte. Was aber Firmen betrifft, die suchen sich ihre Software erstmal nach dem Gesichtspunkt aus, ob sie das tut, was man von ihr will (und das gut), da spielt es auch keine Rolle ob das dann Open Source ist oder kommerziell.

Es ist doch nun mal so, dass eine Software, die besser ist als die der Konkurrenz, unabhängig davon ob Open Source oder nicht, den Markt aufmischen kann, das hat erstmal mit der Qualität zu tun und nur sekundär mit dem Preis. Natürlich kann man nicht verleugnen, dass Hersteller von kommerzieller Software sich ein ungleich wirkungsvolleres (lies: teureres) Marketing leisten können, insofern müssen die sich ja nicht wirklich Sorgen machen, dass Open-Source-Software ihnen das Wasser komplett abgräbt. Wenn Microsoft also mit Heftigkeit gegen Open Source schiesst, finde ich das ein wenig amüsant, denn die glauben ja selbst nicht im Ernst, dass ihre ~90% Marktanteil im OS-Bereich wirklich durch Open Source ernsthaft gefährdet werden können, oder?

MagicMagor
22.03.2006, 13:10
OSS ist eine tolle Sache. Privatanwender kriegen Software, die deutlich über dem Niveau von typischem Freeware-Kram liegt, zum Nulltarif. (Gimp, Linux, gcc etc.)

Für Firmen zählt weniger der Preis. Es ist auch wichtig, wie gut sich die Software warten läßt, oder wie gut der Support bei auftretenden Problemen ist. Und gerade hier ist kommerzielle Software klar im Vorteil, da man meist direkten Support mitverkauft kriegt.
Genauso kann OSS Ansporn sein, die eigenen Produkte zu verbessern, Konkurrenz belebt nun mal das Geschäft. Siehe Office. Nachdem einige Staaten in den USA überlegt hatten auf OpenOffice umzusteigen hat MS eingelenkt und Unterstützung für das OpenDocument-Format im neuen Office-Paket versprochen.

Das OSS den armen Programmierern Chancen raubt, kann ja nur von den Intelligenzbestien im Heise-Forum stammen. Es gibt immer noch Unmengen von Bereichen wo es keine gute OSS gibt und in den großen Bereichen wie Betriebssystemen oder Office-Paketen ist der Markt sowieso zwischen einigen großen Firmen und OSS mehr oder weniger aufgeteilt.

Denn auch abseits vom PC gibt es Anwendungsbereiche für Software und zwar eine ganze Menge. Überall wo Maschinen oder komplizierte Elektronik zum Einsatz kommt, muss es Software geben, diese zu steuern. Sei es der Chip im Auto oder der neue Operationslaser im Krankenhaus. Und gerade in diesem Bereich ist es wichtig, daß die Software für das spezielle Anwendungsgebiet maßgeschneidert ist. Davon abgesehen, daß hier auch durchaus nachvollziehbare Gründe eine Rolle spielen, die Software eben nicht offen zu machen. Mercedes will sicher nicht, die Steuerungsschnittstelle seiner Elektronik im Auto offen legen, so daß jeder Autofahrer fremde Software einspielen kann.

Noch ein Punkt am Rande:
Open Source bedeutet nicht immer kostenfreiheit. Die Offenlegung des Quellcodes ist das was OSS ausmacht. Das geht zwar oft auch mit der kostenlosen Verbreitung einher, diese ist aber nicht zwingend notwendig. Die VisualComponent Libary (VCL) von Borland zum Beispiel wird in der Proffessional Version von Delphi mit Quellcode ausgeliefert. Offenlegung des Quellcodes kann also auch ein Argument für den Kauf sein.

Wolfhound
22.03.2006, 18:23
Ich find OSS auch supi ^^ (schauen wir z.b. LotgD an, is zwar kein Prog, aba trotzdem, was würden wir ohne anfangen ^^). Jeder Proger hat zwar dass Recht seine Programme zu dem Preis rauszugeben, zu dem er will, allerdings gibt es auch Progs, die viel zu überteuert sind (Dann doch lieber OSS, ne? ^^).

Oromei Yugen Julong
23.03.2006, 19:18
sehr allgemein ausgedrückt,

ist es zumeist die qualität, mit welcher die käufer kommerzieller software gelockt werden.

es gibt definitiv sehr geniale und funktionstechnisch äusserst umfangreiche OSS, aber im ganzen gesehen fehlt da noch etwas. zumindest nach dem heutigen stand.

dennoch hat open source den vorteil, dass die preise konkurrierender kommerzieller software in den keller gedrückt wird. ist ja auch klar; wettbewerb halt.

mal schauen, wo die waage in 10 jahren steht :D

Coincidence
23.03.2006, 22:04
Das stimmt nicht. Kommerzielle Produkte unterliegen sehr häufig gleichgestellten, freien Produkten. Speziell in meinem Arbeitsbereich - stell jeden kommerziellen Portscanner gegen "nmap", jedes kommerzielle Honeypotsystem gegen "honeyd". Es wird so viel Scheiße verkauft - und das noch superteuer. Wer heute glaubt, mit Norton ein gutes Antivirensystem zu haben ist eben voll auf dem Holzweg - kostenlose Opensource-Varianten schlagen diese Software um Längen.

Qualität kann nun wirklich kein Faktor sein. Wer das nicht glaubt, der vergleicht mal das simpelste: Windows gegen Linux.

Coincidence

Numen
23.03.2006, 23:20
Oh nein, Coincidence (http://rpga.info/forum/member.php?u=10015), das hättest du nicht sagen sollen - das ist wirklich Ansichtssache.

Es gibt auch Bereiche, wo es keine oder keine konkurrenzfähige OSS gibt. Zum Beispiel im Graphikbereich.

[Septic]
24.03.2006, 00:15
Oh nein, Coincidence (http://rpga.info/forum/member.php?u=10015), das hättest du nicht sagen sollen - das ist wirklich Ansichtssache.

Es gibt auch Bereiche, wo es keine oder keine konkurrenzfähige OSS gibt. Zum Beispiel im Graphikbereich.

Blender.org?
<more to come tomorrow>

Zwiebelmeister
24.03.2006, 09:22
Das mit dem Grafikbereich ist aber nicht ganz falsch. Es gibt auf jeden Fall im Bereich der 2D-Bildbearbeitung im Profibereich momentan keine brauchbare Open-Source-Alternative zu Photoshop. Gimp ist zwar schön und gut, aber ohne CMYK- und Pantone-Unterstützung (beides patentiert und nur gegen hohe Lizenzgebüren zu haben) wird das nichts.

DragonRPG
19.04.2006, 21:56
Ich bin für F/OSS. Imo lobenswert software zu proggen und die dann für lau herzugeben.

Ich meine, im Grunde wird jede Software mal gecrackt usw. Da finde ichs besser sie gleich kostenlos herzugeben. Für den Support und CDs auf denen die Sotware drauf ist (alternativ zum Download) kann man ja immernoch Geld verlangen.

Currywurst
19.04.2006, 23:44
da hast du ja jetzt das totschlagargument gebracht...

"jedes auto kann irgendwie aufgebrochen werden, warum verlangen die da noch geld für?"