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Medien und Kunst Das Forum für alle, die sich für Medien und Kunst interessieren; Egal ob Anime-Fan, Künstler oder passionierter Film-Freak mit einer DVD-Sammlung so groß wie manches Kinderzimmer, hier seid ihr genau richtig.

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Alt 28.03.2006, 22:55   #1
.ashitaka Männlich
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Bei "Santinni 1979" handelt es sich mehr oder weniger um ein Auftragsschreiben. Im Sinne eines Schreibcontests mit ziemlich festen Auflagen (Charaktere, Zeit, Ort, Szenario waren vorgegeben) habe ich also ein Kapitel für das lokale Trendmagazin www.up-dates.com verfasst. Auch wenn ich mit dem Heft nix am Hut hab, und das auch alles andere als meine Zielgruppe betrifft, sind die Redakteure coole Säue, denen meine Story so gut gefallen hat, dass ich mich jetzt zu einer Fortsetzungsgeschichte hab überrumpeln lassen. Das heißt, die Story die ich euch jetzt zeige, wird dort jetzt zweimonatlich fortgeführt. Das Heft könnt ihr euch hier als PDF saugen.
http://www.up-dates-online.de/portal/?page_id=13
Kapitel Zwei ist bereits fertig, wird aber erst nächste Woche gedruckt und darf daher auch nicht früher veröffentlicht werden Lest mal rein, bisher waren die Reaktionen überraschend gut.




„Marco... das ist nicht dein Ernst, oder?“ Marco stand wimmernd auf der glitschigen Planke, die auf den Kutter führte. Der Regen hatte sich beruhigt, und vom Himmel fiel ein seichtes Nieseln. In den nassen, triefenden Mänteln spiegelten sich die Lichter des Kölner Rheinufers. Er war umzingelt. Seit Wochen warteten sie auf ihr Geld, und bisher hatte er es stets geschafft, sich vor ihnen zu verstecken oder eine fadenscheinige Ausrede aus dem Ärmel zu schütteln. Nun, da sie vor ihm standen und ihn mit geladenen Waffen auf den Steg trieben, war es zu spät für Ausreden.
„Francesco, bitte, ich schwöre, ich besorg die Kohle! Mit Zinsen!“, versuchte er panisch sein Gegenüber zu beschwichtigen.
Francescos Gesicht, gehüllt in den Schatten seiner Hutkrempe, blieb eisern. Wenn er eins nicht leiden konnte, dann waren das bettelnde Schuldner. Er hob seinen Arm und richtete die Kanone auf Marco’s Brust. „Bitte Francesco, bit- ...“Marco fasste sich ein letztes Mal an seine Brust, über die nun eine gewaltige Menge Blut floss und seinen Pullover rot färbte. Er schaute nach oben und nach einem leisen Schmerzlaut knickten seine Beine ein und er ließ sich schlaff auf das Holz fallen.„Räumt den Dreck weg.“, befahl Francesco und steckte sich eine Zigarette an. Wie immer. Mit seinen 33 Jahren war er der älteste Sohn der Santinnis.
Seit er mit 14 das erste Mal für seinen Vater einen missglückten Deal zu Ende gebracht hat, blieb er im Business und spielte für Daddy die Exekutive. Im Untergrund war er bekannt als herzlose, kaltblütige Menschmaschine. Bis heute war er der Reißwolf des Santinni-Clans, ohne ihn waren die waghalsigen Drogen- und Waffengeschäfte der Familie inzwischen undenkbar.
„Erledigt, Vater.“, meldete er sich im Türrahmen des Büros an. „Keine Probleme, keine Zeugen.“
Don Lorenzo Santinni war ein dicker, alter Italiener mit lichtem, grauen Haar auf dem braun gebrannten Kopf. Er drehte sich mit seinem Ledersessel um und sah seinem Sohn zufrieden ins Gesicht. „Gut, mein Junge, gut.“ Francesco nickte und trat ab. Wie immer. Die Santinnis teilten sich ein Ressort in mehrere Wohnungen und Appartements ein, um den ganzen Clan auf Kosten des Hauses unter einem Dach zu haben. Francescos Bereich lag im dritten Stock, direkt neben der Wohnung seines jüngeren Bruders.Als ihn sein Wohnzimmer empfing, begrüßte es ihn mit der gewohnten Ordnung. Kein Müll, keine Zeitschriften, nichts. Nur saubere Möbel, polierte Tische und ein glänzendes Parkett. Er hing seine nassen Sachen an die Kleiderhaken und trat langsam in Richtung Bad. Eine heiße Dusche. Wie immer.

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„Er duscht.“, vermerkte Romina im Badezimmer ihres Bruders. „Er duscht....“ Sie saß auf dem Badewannenrand und beobachtete ihren Bruder Guiseppe beim Zähneputzen. Dieser antwortete, nuschelnd mit der Zahnbürste im Mund: „Ja. Ist gleich elf. Normal, halt.“ Guiseppe war der einzige in diesem „Irrenhaus“, wie sie es gerne bezeichnete, zu dem sie Vertrauen schloss. Er war 28, und das klare Gegenteil des älteren Francescos.
Sicher, auch Guiseppe war von ruhiger Natur, aber er war nicht halb so schweigsam wie sein Bruder. Außerdem besaß er eine Eigenschaft, die ihn ganz deutlich von Francesco unterschied: Er hatte ein Herz. Er empfand Mitgefühl, Trauer, Freude, Leid – ein emotionaler, bedächtiger Typ. „Francesco ist eine verdammte Maschine.“, stieß Romina aus. Nebenan konnte sie das Duschwasser prasseln hören. „Wahrscheinlich hat er gerade eben einen Familienvater vor den Augen seiner Kinder umgelegt.“„Möglich.“, erwiderte Guiseppe und spuckte ins Waschbecken.
Er ging auf die Diskussionen um seinen Bruder nicht mehr ein. Seine kleine Schwester war die jüngste im Haus, das Nesthäkchen, und sie hasste diese Familie. Sie wollte mit all den Kleinkriegen, all den Morden und den Drogen nichts zu tun haben. Er sorgte dafür, dass sie sowenig wie möglich vom „Tagesgeschäft“ der Familie mit bekam und kümmerte sich um sie, wie es sich für einen großen Bruder gehört. Oft klopfte sie spät abends noch an seiner Tür, wenn sie nach Hause kam oder einfach nicht allein sein wollte. Dann erzählte sie. Von Kerlen, die sie nicht beachteten und von Typen, die sie nicht in Ruhe ließen. Sie erzählte von ihren Freundinnen, von den Partys und Discos. Er hörte ihr gerne zu, denn er mochte die jugendliche Frische, die dabei stets in ihren Worten lag.
„Romina... bist du nicht müde? Es ist schön spät, und du musst morgen früh raus.“, meinte er sanft, und legte dabei seine Hand auf ihre Schulter. Sie nickte und begab sich zur Tür. „Bis morgen, Gui.“ Er hörte das Türschloss klicken und ging in die Küche, um sich ein Glas Wasser zu holen.
Als er auf dem Hausflur zwei laute Schüsse hörte, zerschellte das Glas auf dem Küchenboden. Guiseppe rannte an die Tür, öffnete den Sicherheitskasten daneben und entnahm ihm eine Pistole. Er lud sie zweimal durch und drückte langsam die Klinke runter. Nun, da die Tür einen Schlitz offen stand, konnte er Romina in einer Blutlache auf dem Teppich erkennen. Alle Vorsicht außer acht lassend stürmte er auf sie zu. Er packte sie unter den Armen und zog sie in seine Wohnung, wobei sie eine blutige Spur auf dem Boden hinterließ. Wer zur Hölle hatte mitten im Haus eine Schießerei veranstaltet? Kaum dachte er an seinen Bruder, und wo dieser nur blieb, da krachte Francesco bis an die Zähne bewaffnet aus dem benachbarten Appartement heraus. Unter seiner offenen Jacke konnte man eine schusssichere Weste erkennen, in seinen Händen prangten zwei uniforme Knarren. Blank poliert.
„Francesco, komm her, sie haben sie... sie wurde getroffen.“ jammerte Guiseppe, während er seine Hände auf Romina’s Wunden presste. Francesco schritt auf die beiden zu, bückte sich und legte seine Finger an den Hals seiner Schwester. Stumm und ernst blickte er Guiseppe in die Augen. Er nickte. Sein jüngerer Bruder stieß ein „Was!?“ aus; über seine Wangen liefen Tränen.
Francesco erhob sich, und marschierte mit den geladenen Waffen im Anschlag nach draußen. Wenn es jemand geschafft hatte, in das Haus der Santinnis einzutreten und darin das jüngste Familienmitglied zu töten, dann war er nicht nur dumm, dann war er lebensmüde.
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Alt 29.03.2006, 14:28   #2
Chaplin Männlich
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Trifft jetzt nicht meinen Geschmack von Geschichten, aber die Erzählweise ist schon recht stimmig.
Respekt erstmal, dass du überhaupt unter festen Bedingungen schreiben kannst. Würde bei mir nie gehen. Denn so wenig mir die Namen gefallen, da sie grundlegend die 08/15 Stereotypen des Italieners sind, so wenig gefallen mir Dialoge (was bei mir immer so ist, wenn es sich nicht um ein kommerzielles Buch handelt ; / ) und so wenig gefällt mir das ganze Setting. Aber das ist natürlich Geschmackssache, für die du nichts kannst ; )
Deine Arbeit, eine interessante Geschichte zu schreiben, die für mich jetzt vor allem durch ihre Erzählweise glänzt, hast du vorzüglich verrichtet.

Weiterhin empfinde ich die Länge als noch angenehm für einen Fortsetzungsroman, da ich am Monitor sowieso eher ungewillt bin, mir längere Texte durchzulesen. Deine Geschichte grenzte da schon am Maximum : )
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Alt 29.03.2006, 14:49   #3
.ashitaka Männlich
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Ich finde das Szenario zum Glück doch recht interessant, und eigentlich macht es richtig Spaß, vorgegeben Leuten eine Geschichte auf den Hals zu schneidern Das nächste Kapitel ist übrigens kürzer, da die Seitenzahl von 3 auf 2 gekürzt wurde. "Roman" würde ich das ganze jetzt nicht nennen, keine Ahnung, was das wird. Danke für deinen Kommentar, Chaplin, nächste Woche dann "Kapitel 2: Familienblut" mit einem Drittel weniger Text

[edit] Kürzlich hat ein aufgeregter Anrufer, so um die 40 Jahre wohl, in der Redaktion angerufen und darum gebettelt, den Autor nochmal zu überreden, "die süße Romina NICHT sterben zu lassen!" Priceless!
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Alt 29.03.2006, 17:59   #4
Schlawi Männlich
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Mhm. Interessant. Also mal von den Namen abgesehen (wobei ich diese eigtl. garnicht mal so klischeehaft finde) ;D , finde ich die Geschichte recht unterhaltsam; spannend geschrieben; nicht zu umständlich aber dennoch vollgepumpt mit nötigen Informationen, die dem Leser klar machen worum es geht. Das/Die Szenario/Charaktere, wie von Chaplin geschrieben, wirken etwas stereotypisch, aber dennoch will es mir gefallen, da du es einfach schaffst, das alles recht aufschlussreich rüberbringst.
Mit der Länge hatte ich nun mal gar kein Problem, da mich eben interessiert hat, wie es weitergeht (hätte btw. ruhig länger sein können).

Mit anderen Worten: Her mit dem nächsten Kapitel?
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Alt 29.03.2006, 21:25   #5
Freya Weiblich
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Ich hab dir ja schonmal gesagt das ich deine Geschichten mag. Du hast eine tolle Schreibweise. Die Charaktere haben zwar tatsächlich einen leichten Stereotatsch, aber das machst du eben wieder wett.

"ER und SIE" ist aber bisher nicht zu toppen gewesen. Für dich kein Verlust, denn die Geschichte ist ja auch von dir. ;D
[Schleichwerbung] www.ashi.de [/Schleichwerbung] ^-^
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Alt 29.03.2006, 21:29   #6
.ashitaka Männlich
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Klar, Er und Sie war ja auch eine sehr emotionale Kiste direkt aus meinem Kopf Hier waren ja andere Bedingungen gefragt. Schön, dass es euch gefällt!
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Alt 19.04.2006, 17:04   #7
.ashitaka Männlich
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Das neue Heft gibt's wieder da! Hier kommt Kapitel 2.



„Romina? Wach auf, bitte, wach auf!“ Inzwischen war auch Mutter Signoria mit einer Bediensteten zur Stelle, um sich schreiend über ihre Tochter zu werfen. Das Blut floss kriechend über die Dielen und versickerte im Teppich. Das Mädchen gab keinen Laut von sich, die Augen fest verschlossen. „Ist sie tot, Guiseppe, ist sie tot!? Sag mir, ob sie tot ist!“ flehte Signoria ihrem Sohn ins Gesicht, der unentwegt versuchte, ihre Blutungen mit seinem Hemd zu stoppen. „Bringt mir Tücher, Bandagen, alles was ihr finden könnt!“ Auf dem Flur entbrannte eine Panik, die es so im Santinni-Ressort noch nicht gegeben hat. Sicher, Verletzte waren hier nichts neues, und auch mit Toten hat man sich abgefunden. Dass es eines Tages aber die Jüngste, die Unschuldigste erwischt – damit hat keiner gerechnet. Als der Notarzt endlich in die Etage stürmte, ging alles ganz schnell. Guiseppe beruhigte seine Mutter und folgte dem Doktor in den Krankenwagen. Nein, heute Nacht würde er seine Schwester nicht allein lassen.

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Francesco fuhr mit seinen Augen hin und her. Die verregnete Straße spiegelte das Laternenlicht in alle Richtungen, doch die Büsche auf der anderen Wegesseite verschwanden komplett in dichter Dunkelheit. Seine geübten Augen durchforsteten jeden kleinsten Winkel aus sicherer Entfernung. Hinter dem Torbogen verschanzt spähte er wieder und wieder um die Ecke – ohne Erfolg. Er konnte nicht weiter hinausgehen. Ein Schritt auf die offene Straße hätte ihm vielleicht den Kopf gekostet, und den behielt er stets kühl, auch wenn es um Extremfälle ging. Er hat seine kleine Schwester blutüberströmt vor seiner Zimmertür aufgefunden, und er würde denjenigen zu fassen kriegen, der ihr das angetan hat. Er würde ihn aufspüren und umlegen. Nicht kurz und auf keinen Fall schmerzlos - aber er würde ihn umlegen.

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„Sie sind?“ „Guiseppe Santinni, ich bin ihr Bruder.“ Der Rettungswagen preschte durch die Kölner Innenstadt Richtung Hospital. Im Transporter schepperten die Instrumente und schaukelten wild an den Wänden hin und her. Der Doktor beugte sich über Rominas scheinbar leblosen Körper und umwickelte die Wunde mit Binden. Ein junger Helfer legte einen Kathederzugang zu ihrem rechten Arm und schraubte das durchsichtige Säckchen über einen dünnen Schlauch an ihre Vene. „Doktor, kommt sie durch?“ stotterte Gui, während er sich krampfhaft an einem Gummigriff festklammern musste, um nicht durch den Wagen geschleudert zu werden. Draußen klatschte der Regen nun immer stärker gegen die Scheiben, in Sturzbächen floss das Wasser am Glas entlang. „Ich kann ihnen momentan...“, und der Arzt unterbrach sich, um in einer ratternden Schublade nach einer Spritze zu greifen, „... noch nichts genaues sagen. Verhalten sie sich ruhig, Herr Santinni.“ Er setzte sich auf den kleinen Hocker und schlug die Hände auf die Stirn. Die triefenden Strähnen fielen ihm ins Gesicht, er verlor die Fassung und brach erneut in Tränen aus. Die Stimme des Krankenhelfers war es, die ihn zurück auf den Boden der Tatsachen brachte. „Welche Blutgruppe haben sie?“ „Bitte?“, schreckte er auf. „Welche Blutgruppe sie haben?“ Guiseppe musste kurz nachdenken. „Ähm... A, denke ich. Ja, A.“ „Ihre Schwester hat Unmengen an Blut verloren, bereiten sie sich auf eine Transfusion vor, wenn sich die Blutgruppen decken.“ Er nickte. Für Romina würde er sich sämtliche Adern auspumpen lassen, wenn es sein müsste.

Wenige Minuten später zogen sie die junge Santinni auf einer Trage durch das Krankenhaus und schoben sie krachend in einen Operationssaal. Lautstark warfen die Ärzte Befehle durch den Raum, von allen Seiten brachte man kleine Tische mit glänzenden Messern und fremdartigen Gerätschaften heran. Eine warme Frauenhand packte Guiseppe von hinten am Arm und zog ihn beiseite in ein kleines, steriles Zimmer, in dessen Mitte eine Liege bereit stand. „Der Doktor überprüft gerade die Blutgruppe ihrer Schwester, machen sie sich keine Sorgen.“ Die Krankenpflegerin lächelte freundlich und krempelte ihm die Ärmel hoch, bevor sie seinen Arm mit einem feuchten Wattebausch abtupfte. „Haben sie das schon mal gemacht?“ Gui schüttelte den Kopf. Plötzlich sprang die Tür auf und ein junger Bursche in weißem Kittel, mit einer dicken Brille im Gesicht, reichte eine Karteikarte hinein. Die Schwester nahm das Blatt an sich und las leise murmelnd vor sich hin. „Sie haben Blutgruppe A, Herr Santinni?“ „Ja. A.“ „Das ist schlecht.“, meinte sie und blickte ihm besorgt in die Augen. „Ist das ihre leibliche Schwester?“ „Ja, sicher.“ Die junge Frau schien verwirrt und prüfte wieder und wieder das Schreiben. „Wir haben hier die Werte ihrer Eltern gefunden, Lorenzo und Signoria. Das sind sie doch, oder?“ Er erwiderte die Frage mit einem stummen Nicken. Auch er war jetzt sichtlich durcheinander. „Ihre Eltern haben beide Blutgruppe A, Herr Santinni. Rominas Blut aber ist eindeutig Typ B. Das ist – rein biologisch gesehen – nicht möglich.“ Guiseppe schloss die Augen und schluckte.
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Alt 19.04.2006, 17:15   #8
Chaplin Männlich
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Ich mag Dramatik.
Schöne Fortsetzung, gefällt mir ausgesprochen gut =)
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Alt 19.04.2006, 21:14   #9
Warscribe Männlich
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Das is sweet. Mehr, genial diesen plot reinzubringen, da kann man gleich munkeln warum sie wohl sterben musste.
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No one is left...Everything is gone..Kharak is burning.
]Hiigara...our Home.[
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Alt 20.04.2006, 10:08   #10
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Ja mir hat es auch sehr gut gefallen. Schöne Fortsetzung. Es ist wie gewohnt alles schön rund formuliert und auch vom Inhalt der Geschichte rund. Nur doof das es bis zum nächsten Teil wieder etwas dauert. :/
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Alt 20.04.2006, 10:19   #11
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eine gute Fortsetzung. gefällt mir sehr gut. ich freu mich schon auf den nächsten teil
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Alt 10.07.2006, 17:51   #12
.ashitaka Männlich
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Huch! Ich hab den letzten Teil noch garnicht gepostet. Sorry an alle, dies doch interessiert. Hier kommt er.



Guiseppe starrte gerade auf eine der Pinnwände im langen Warteflur vor dem Operationssaal, als Francesco um die Ecke stürmte. Er erhob sich von seinem Stuhl und begrüßte seinen Bruder. Keine Umarmung, kein Händedruck. „Schön, dass du so schnell kommen konntest, Francesco.“ „Wo ist sie?“, fragte dieser mit beängstigtem Blick über Guiseppes Schultern. Durch die dünnen Ritze zwischen den Fensterlamellen betrachteten sie Romina für einen Moment gemeinsam.
„Sie ist nicht unsere Schwester.“, brach der jüngere Bruder das Schweigen. Zögernd blickte Francesco ihm in die Augen. „Ich... ich versteh nicht.“ „Ihre Blutgruppe. Da stimmt was nicht.“ Durch das blanke Glas starrten beide wieder auf das Mädchen auf der Trage. „Ich rufe Vater an.“

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Zwei der bediensteten Mädchen waren immer noch damit beschäftigt, Mutter Signoria zu beruhigen, als das Telefon laut durch den Flur schellte. „Ich gehe schon.“, winkte eine von ihnen ab und nahm den Hörer ans Ohr. „Es ist ihr Sohn, Francesco, er möchte mit ihrem Mann sprechen.“ Die Hausherrin nickte mit einem Schluchzen, woraufhin die Angestellte per Tastendruck das Gespräch an Don Lorenzo weitergab.

In Begleitung einer seiner Neffen ging dieser gerade in seinem Zimmer auf und ab, als ihn das Ringen des Telefonapparats aus den Gedanken riss. Mit einem Handzeichen und ernster Miene schickte er den Jungen hinaus. „Ich wusste, dass du anrufst, Francesco.“ Mit schweren Schritten ging er hinter den breiten Holztisch und ließ sich in seinen Ledersessel fallen. Er drehte sich zum Fenster und wisperte mit tiefer Stimme leise in den Sprecher. „Das war so nicht geplant, mein Junge.“ Am anderen Ende der Leitung konnte man Francescos Zorn deutlich vernehmen. „Vater, ihre Blutgruppe... was geht hier vor?“ „Kommt nach hause, Kinder. Wir regeln das hier.“

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„Er hat einfach aufgelegt!?“ stieß Guiseppe aus und schlug mit der Faust gegen die Raufasertapete, dass eine der Kinderzeichnungen von der Krankenhauswand flatterte. Immerhin hat man inzwischen eine passende Blutspenderin unter den Krankenschwestern gefunden, um Romina vorerst am Leben zu halten. Francesco wandte sich von seinem Bruder ab und verließ den kühlen Hospitalgang. „Bleib du bei ihr. Ich spreche mit Vater.“ Guiseppe nickte.

Vor dem großen Einfahrtstor der Santinnis angekommen, streckte Fransceso dem Taxi-Fahrer einen Fünfzigmarkschein in die Hand und verschwand in der kleinen Nebentür. Ohne Umwege stieg er hoch in das Zimmer seines Vaters. Heute verzichtete er sogar aufs Anklopfen. Er trat einfach mitten in den Raum und schritt direkt auf den großen Schreibtisch zu. „Sprich, Vater.“
Don Lorenzo atmete schwer, und er legte den goldenen Kugelschreiber beiseite, mit dem er gerade noch gespielt hat. „Sie ist nicht meine Tochter.“ Francesco schluckte, versuchte, die Worte Lorenzos zu fassen und schloss für einen Moment die Augen. „Deine Mutter – diese Hu...“, wollte sein Vater sagen, doch bevor er das Wort zu Ende bringen konnte, hat sein Sohn ihn am Kragen über die Tischplatte gezogen um ihm von oben herab auf seine verschwitzte, rote Stirn zu schauen. „Hast du sie umbringen lassen, Vater?“ flüsterte er ohne eine Miene zu verziehen. „Noch ist sie ja am Leben, hab ich Recht?“ Francesco ließ seine knochige Faust mitten in das Gesicht seines Vaters krachen.
Die Tür sprang auf und Felipe, der Neffe Don Lorenzos, bäumte sich mit geladener Pistole vor den beiden auf. „Lass ihn gehen, Francesco, sonst muss ich dich erschießen!“ Der Don spuckte ein wenig Blut über seine Akten und klammerte sich am Ärmel seines Sohnes fest. Er schnaufte und hechelte, doch Francesco schüttelte ihn endlich ab um sich von ihm zu entfernen und am anderen Ende des Büros auf einem gepolsterten Stuhl zusammen zu sacken. Seine Hände tasteten seinen Schädel ab, die Finger bahnten sich einen Weg durch die nassen Haare. „Verdammte Scheiße!“ schrie er durch den Raum und warf eine Stehlampe zu Boden, dass der junge Felipe ängstlich zusammenzuckte. Lorenzo kroch dabei langsam zurück in seinen Sessel und wischte sich das Blut von den Lippen, während er Unverständliches vor sich hin stotterte. Der Junge Felipe stand immer noch halb im Türrahmen und nahm nun zitternd die Waffe runter. „Fran... Francesco... was geht hier vor? Du hast deinen Vater verprügelt.“ Der Angesprochene aber erhob sich und ging schleichend an ihm vorbei. „Ich habe keinen Vater.“

Francesco war kein gefühlsintensiver Mensch. Mord und Gewalt waren wichtige Bestandteile seines Alltags, und Reuegefühle hat er vor Jahren gänzlich aus seinem Kopf verbannt. Aber nun mit anzusehen, wie sein eigener Erzeuger, der Mensch, der ihn großgezogen und stark gemacht hat, die Tochter seiner eigenen Frau umbringen lässt, das ging selbst ihm an die Nieren. Er wusste nicht, wer Rominas wirklicher Vater war, und momentan konnte ihm nichts gleichgültiger sein. Aber für ihn war es eine Schwester. Es war seine kleine Schwester, und niemand durfte ihr ein Haar krümmen.
„Mutter. Wir müssen verschwinden.“, forderte er, als er plötzlich in ihrem Eingang stand und ihr den leeren Koffer vor die Tür stellte. Den Mädchen befahl er, umgehend ihre wichtigsten Sachen für sie zu packen. Zeit für Erklärungen hatte er kaum, er wollte Signoria einfach schnell in Sicherheit bringen. „Was ist mit Lorenzo? Hol deinen Vater!“ Doch Francesco hielt seine Mutter an den Händen fest und schickte sie zurück an ihren Kleiderschrank. „Er weiß bescheid.“

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Guiseppe streichelte zart über die kühlen Hände seiner Schwester, während er zusah, wie das Blut aus den Säcken durch die dünnen Schläuche in ihre Arme geleitet wurde. Ihr Brustkorb hob und senkte sich schwerfällig im Rhythmus der Beatmungsmaschine. Inzwischen waren alle Ärzte verschwunden, nur eine Pflegerin betrat hin und wieder das Krankenzimmer, um die Gerätschaften zu überprüfen. Für einen kurzen Moment fielen Guiseppe die Augenlider zu, und er drohte einzunicken. Die beiden schwarzen Gestalten vor der Tür, die er durch das körnige Glas erkennen konnte, brachten ihn jedoch schnell wieder in den Wachzustand zurück.
„Wer zur Hölle...?“ fragte er sich leise, ging langsam auf die Tür zu und drückte die Klinke nach unten. Als er den Spalt weit genug öffnete, erkannte er zwei junge Männer mit finsteren Gesichtern in den Anzügen der Santinnis. Das mussten Jean und Beppo gewesen sein, Schachfiguren seines Vaters. „Was macht ihr denn hier?“

„Wir bringen es zu Ende, Guiseppe.“
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Alt 10.07.2006, 19:41   #13
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Fabelhaft, wirklich sehr schön zu lesen! Spannend, unterhaltsam. Eine Geschichte mit Verstand. Da kann man wirklich nur gratulieren.

Ich wusste bisher gar nicht, dass du das hier gepostet hast. Habe mir gerade alles nochmal durchgelesen und bin sehr beeindruckt. Übrigens ein sehr schöner Schluss!

Da wird der arme 40 Jahre alte Mann ja nicht so glücklich sein. *g*
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Alt 10.07.2006, 21:44   #14
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Ich muss meinem Vorposter zustimmen, es ist fabelhaft. Besonders hat mir gefallen wie du plötzlich diese WEndung rein gebraucht hast. Die story fing ganz typisch an, plötzlich das. Find ich klasse. Auch die Charaktere kommen in dem Teil anders rüber. Mag ich.

Und das dus nicht postest ist verzeilich....ein bisschen zumindest....xD Schließlich kann man sich das ja auch selber ansehen. (Link auf ashi.de)
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Just bring it on! | Freya
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Alt 04.08.2006, 02:22   #15
.ashitaka Männlich
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Achso! Teil vier!

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„Wir bringen es zu Ende, Guiseppe.“

Guiseppe stand wie angewurzelt im Türrahmen, als ihn die beiden Herren im Anzug anstarrten. Sein Vater hatte ihnen also den Auftrag gegeben, seine eigene Tochter endgültig umzubringen. Guiseppe überlegte, doch auf die Schnelle fiel ihm einfach kein Ausweg ein. Die beiden waren bewaffnet und fest entschlossen, Romina zu töten. Was konnte er schon ausrichten? Er hätte sie belügen können, sagen, sie sei bereits tot. Vergewissert hätten sie sich trotzdem. Allem Anschein nach musste er die Notlösung in Betracht ziehen, die ihm im Kopf herumschwirrte. Er hatte keine andere Wahl.

„Gut, dass ihr da seid, Jungs. Ich hab auf euch gewartet. Wer bleibt vor der Tür?“
Die beiden Mafiosi guckten kurz überrascht und entschieden sich schnell für Beppo, der vor der Tür stehen bleiben sollte, um Schmiere zu stehen, während Jean im Zimmer seinen Auftrag erledigte. Guiseppe schloss die Tür leise und sah, wie Jean langsam auf das Krankenbett zuschritt und eine Spritze in seiner Hand verschraubte. Er musste es tun. Keine Umwege. Es ging um seine Schwester, und er liebte sie, weit mehr als den Rest seiner verwegenen Familie. Jean war gut gebaut, ein großer, junger Mann, der viel von seinem mörderischen Handwerk verstand. Doch in diesem Moment wog er sich in vollkommener Sicherheit. Guiseppes Hand glitt vorsichtig in seine Hosentasche. Er hat noch nie von dem Messer Gebrauch nehmen müssen, dass er seit jeher bei sich trägt, aber wer in derart zwielichtige Kreise geboren wird, muss immer und überall gewappnet sein. Er zog das Klappmesser heraus, und trat einen gewaltigen Schritt nach vorn. Mit seiner Linken hielt er dem völlig überrumpelten Jean Nase und Mund zu, der sofort rot anlief. Er presste seine Handfläche so derb auf das Gesicht, dass es schmerzte. Blitzschnell versank die Klinge in dem pochenden Hals, und wenige Sekunden später fiel Jean wie ein Sack zu Boden. Guiseppe ging etwas zurück, um nicht in das Blut zu treten, dass sich rasch über den Fließen verteilte. Romina bekam von all dem nichts mit. Komatös schlafend ruhte sie, wieder nur knapp dem Tod entronnen.


Francesco konnte mit seiner Mutter aus dem üppigen Santinni-Anwesen fliehen. Auf der Fahrt ins Hotel versuchte er ihr alles zu erzählen. Er war kein guter Redner, und im Umgang mit Gefühlen war er ein verdammter Eisberg, aber es war Zeit für ein Gespräch, ganz sicher.
„Von wem ist sie?“
Mutter Signoria war erschrocken, wusste nicht, was sie ihrem Sohn antworten sollte. Im Krankenhaus hat sich herausgestellt, dass Romina kein Kind des Hauses sein kann. Konnte sie ihm die Wahrheit sagen? Spielte die Wahrheit überhaupt noch eine Rolle, jetzt wo Don Lorenzo seine Männer geschickt hat, um dem Kind seiner Frau das Leben zu nehmen?
„Was treibt einen Vater dazu, sein Kind umzubringen?“
„Es war nicht sein Kind, Francesco.“
„Ihr habt Romina großgezogen, 16 Jahre lang. Gemeinsam.“
„Er hat es nicht gewusst.“
Ein eisiger Schauer durchfuhr Francescos Körper. Plötzlich wurden die Dinge auch für ihn etwas klarer. „Du hast es ihm verschwiegen?“
„Bis vor wenigen Tagen. Ja.“
„Warum hast du ihm nach ganzen 16 Jahren noch verraten, dass... dass es nicht seine Tochter ist?“
„Ich wusste nicht, wie er reagiert, mein Sohn. Hätte ich geahnt, dass... dass...“ und sie brach in Tränen aus. Sie bogen von der Hauptstraße ab und parkten an einem heruntergekommenen, kleinen Hotel, mit flackernder Leuchtreklame auf dem Dach. Sie stiegen aus dem Auto in den prasselnden Regen.
„Wie soll es jetzt weiter gehen, Mutter?“ fragte Francesco und schlug die Tür zu.
„Ich weiß es nicht, mein Sohn, ich weiß es nicht.“
„Liebst du meinen Vater? Von ganzem Herzen?“ Seine Stimme zitterte, er fühlte sich unwohl und konnte sich nicht erinnern, das Wort „Liebe“ überhaupt schon einmal benutzt zu haben. Signoria kam ins Stottern.
„Ich... Ich...“, und sie entschied sich schnell für eine grundehrliche Antwort, „Nein.“
Ihr Sohn schaute ihr über das Autodach in die Augen, so tief er es durch Nacht und Regen nur konnte, und nickte.
„Er hat meine Tochter umgebracht, Francesco. Meine Tochter. Damit hat er einen Teil von mir getötet. Mir, seiner eigenen Frau.“, und wieder rollten ihr Tränen über die Wangen.
„Wir werden verschwinden, Mutter. Du, ich, Guiseppe und.... und Romina. Wir werden verschwinden.“
Sie schien sichtlich verwirrt, Francesco hatte nie ein besonders liebevolles Verhältnis zu seinen Geschwistern, außerdem hielt sie Romina bereits für tot.
„Guiseppe ist gerade im Krankenhaus. Jean und Beppo müssen an ihm vorbei, wenn sie Romina erledigen wollen.“
Signoria schnappte nach Luft, als wolle sie etwas sagen, doch er ließ sie nicht zu Wort kommen.
„Wir Vier, wir gehen zurück nach Italien,“ und er richtete den Kopf zur Leuchtreklame, „und Vater... den begraben sie hier.“


Das erste Problem hat Guiseppe also aus der Welt geschafft. Er hat seine Schwester vor dem Tod bewahrt, indem er kaltblütig einen Mord begangen hat. Seinen ersten. Die Spritze, mit der Romina vergiftet werden sollte, lag mitten in der gewaltigen Blutlache. Doch noch stand Beppo vor der Tür, kurz davor, ungeduldig zu werden. Außerdem war das Haus voller Ärzte und Pflegern, in wenigen Minuten würde jemand in den Raum kommen und die Katastrophe sichten. Eins nach dem anderen, dachte sich Guiseppe, und legte sein Augenmerk auf Beppo, der hinter dem verkräuselten Glas schon nervös auf und ab trat. „Du kannst reinkommen!“ rief er. Die Tür ging auf, und ehe Beppo mit schockiertem Blick „Oh Scheiße!“ zu Ende sprechen konnte, sprang Guiseppe ihm mit ausgestreckten Fingern ins Gesicht und schlug seinen Kopf mehrmals gegen die Wand. Laut krachend, unter Schmerzensschreien, knallte Beppo wieder und wieder gegen den Türrahmen, bevor er neben seinen leblosen Freund in die rote Pfütze geworfen wurde. Langsam versuchte er, sich wieder aufzurichten, und zog seinen schmerzenden Schädel aus dem Blut, hustend und leise vor sich hinkeuchend. Guiseppe dachte kurz nach. Würde er ihn am Leben lassen, wären auch die letzten Chancen auf eine einfache Flucht ausgeschlossen. Vielleicht würde er Romina auch trotzdem töten. Das Opfer meldete sich zu Wort. „Alter... ich... ah... bitte, hör auf, Mann, ich tu ihr nichts, ich schwöre.“ Verdammt, Guiseppes Gewissen schaltete sich ein. Er wünschte sich für einen Moment die Kaltblütigkeit seines großen Bruders. „Bitte, Mann, hör auf damit, ich... ich... aaah...“ Was würde Romina sagen, wenn sie ihn so sehen könnte? Wenn sie sehen könnte, wie er einen jungen Mann mit eigenen Händen erlegt. Zum Glück musste er sich keine weiteren Fragen stellen, als plötzlich ein Arzt und eine Krankenschwester im Zimmer standen und lauthals „Oh mein Gott!!!“ schrieen. Er warf einen letzten Blick auf das blasse Gesicht Rominas und stürzte davon. Mit einem Schubs drängte er sich durch das Personal und rannte so schnell er konnte in Richtung Hauptausgang. Hinter ihm hörte er noch ein verzweifeltes „Holt den Sicherheitsdienst! Verdammte Scheiße!“ Er sprintete so schnell er konnte durch die Flure des Krankenhauses. Er konnte den Ausgang vom Weiten schon erkennen, als er im hohen Bogen über einen blankpolierten Schuh auf den Korridor flog. Als er seinen Kopf zur Seite drehte, um zu schauen, über wessen Füße er gerade gestolpert ist, musste er schlucken. Mit finsterer Miene schaute Antonio auf ihn herab. „Vater hat nicht nur zwei von seinen Deppen geschickt?“ fragte Guiseppe, hasserfüllt. „Doch, Guiseppe. Genau zwei Deppen hat er geschickt... und mich.“
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